Forum: „SINTEG weist den Weg: Aktuelle Highlights für die Energiezukunft" am 11.02.2020

Dieses Forum stellte aktuelle SINTEG-Highlights vor. Die Highlights stammen aus zwei der fünf Kernthemenbereiche von SINTEG: Flexibilitätspotentiale und Sektorkopplung sowie Digitalisierung. Je ein Highlight pro Schaufenster stammte aus den Themenbereichen Flexibilisierung (einschließlich Sektorkopplung) und Digitalisierung. Die Highlights im Bereich Flexibilisierung umfassten fünf wichtige Sektoren: Industrie, Verkehr, Wärme, Wohnen und Landwirtschaft. Die Highlights im Bereich Digitalisierung deckten fünf Hauptthemen der Digitalisierung der Energiewirtschaft ab: Smart Meter, Smarte Netze, Digitale Geschäftsmodelle, Blockchain und Prognosen. Die Highlights der Digitalisierung waren mit dem Bereich Flexibilisierung eng verbunden, insofern sie der Flexibilität dienen. Somit umfassten die Highlights insgesamt eine „strategische Bandbreite“ für die Herausforderungen der Energiewende.

Projektpartner haben ein funktionierendes Akteursnetzwerk geknüpft

Werner Beba betonte zum Abschluss die Vernetzung innerhalb der einzelnen Schaufenster und unter den Schaufenstern insgesamt als wichtigen Erfolgsfaktor für das Programm. Ole Langniß regte an, die Energieinfrastruktur mit neuen Ideen anzureichern, auch durch Start-ups. Die Energiewende habe keinen Endpunkt, sei ein ständiges Reallabor. Cosima Osang hob hervor, dass durch den Schaufensteransatz bei WindNODE ein richtiges Akteursökosystem entstehen konnte. Das erhöhe die Sichtbarkeit gerade für auch für Start-ups und gebe Innovationen Strahlkraft. Die SINTEG-Schaufenster seien damit eine sehr gute methodische Blaupause für künftige Reallabore. Ulf Brommelmeier verwies auf die große Bedeutung der Energiewende, die neue Themen, neue Geschäftsmodelle und eine neue Wirtschaftlichkeit hervorbringe. Der intelligente Einsatz von Flexibilität reduziere den Ausbau des Netzes signifikant, so Lothar Ahle. Daher arbeite DESIGNETZ an einem Gesamtsystem, das auf der Bereitstellung von Flexibilität aus vielen Einzellösungen bestehe. Es sei eine große Aufgabe, diese zahlreichen Einzellösungen zu einem integrierten und sich selbst organisierenden Gesamtsystem zusammenzufügen. Ralf Sitte sagte, das BMWi habe SINTEG für alle Akteure in der Energiewirtschaft aufgelegt. Er ermunterte die Teilnehmenden in den Schaufenstern dazu, die Möglichkeiten des Programms bis zum Ende bestmöglich zu nutzen.

Foto-Galerie: SINTEG-Stand, Energy Transition Forum

Forum: „SINTEG explores: Real-world labs – how do they work, what lessons have we learned?” am 12.02.2020

Zielgruppe dieser Veranstaltung waren internationale Teilnehmende vom „Tag der Konsulate“. Ziel war es, den Botschafterinnen und Botschaftern neue Erkenntnisse über Reallabore in der Energiewirtschaft zu vermitteln. Den Schaufenstern diente dieses Forum als Öffentlichkeitsarbeit für ihre Aktivitäten und Erfolge mit dem Format Reallabor. Außerdem bot sich ihnen die Gelegenheit für neue internationale Kontakte.

Das Forum adressierte folgende Fragen: Inwieweit war das Format Reallabor erfolgreich? Welche neuen Technologien haben die Reallabore ermöglicht? Welche Rolle spielten Regularien? Welche Rolle spielten Konsumenten und die Öffentlichkeit in den Reallaboren? Welche Lehren, die für andere Länder hilfreich sein können, haben die Schaufenster aus den Reallaboren gezogen?

Neue Geschäftsmodelle sind wichtiger Anreiz für Unternehmen

Auf die Frage nach den wichtigsten Lehren aus dem Reallabor-Format antworteten die Referenten: Markus Graebig sagte, dass Teilnehmer nur dann an einem Reallabor mitwirken würden, wenn sie ein künftiges Geschäftsmodell sehen. Die Erwartung, dass Regulierungen sich ändern würden, sei ein Schlüsselinteresse für die Teilnahme. Darüber hinaus seien auch finanzielle Anreize erforderlich. Ole Langniß bestätigte, dass nur solche Personen am Reallabor teilnehmen würden, die eine Möglichkeit sehen, Lösungen zu Geld zu machen. „Regulatory sandboxes“ müssten dauerhafte Einrichtungen zum Ausprobieren neuer Technologien und neuer Regulierungen werden. Jan Rispens betonte die Bedeutung von Anreizen, da die aktuelle Regulatorik in vielen Fällen eine wirtschaftliche Umsetzung verhindere. Unternehmen würden dadurch zur Teilnahme motiviert, dass Regierungen sich zielgerichtet für erneuerbare Energien einsetzen und die Rahmenbedingungen so ändern, dass Wirtschaftlichkeit in Zukunft möglich wird. Dann würden auch die Unternehmen darin investieren.

Forum „SINTEG verbindet: Zustimmen und teilhaben – wie die Energiewende gelingt“ am 13.02.2020

Diese Veranstaltung befasste sich mit der Situation, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich aktiv am Ausbau intelligenter Energie beteiligen, die Energiewende zugleich aber auch auf Vorbehalte stößt – zum Beispiel bei Windkraftanlagen und Netzausbau. In diesem Forum berichteten die Schaufenster von ihren Erfahrungen, Bürgerinnen und Bürger mit Partizipationsmodellen über die Energiewende zu informieren und sie dafür zu begeistern. Darüber hinaus bot die Veranstaltung empirische Einblicke aus Bevölkerungsbefragungen. Die Beiträge warfen konkrete Fragen auf und beantworteten sie. Zum Beispiel thematische Differenzierung: In welcher Hinsicht bestehen bei der Energiewende Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung, in welcher nicht? Oder Zielgruppendifferenzierung: Wie erreicht man Bevölkerungsgruppen, die sich für das Thema nicht interessieren oder der Energiewende negativ gegenüber stehen?

Isabel Guzić stellte Ergebnisse aus den Bevölkerungsbefragungen im Rahmen der begleitenden Akzeptanzforschung von NEW 4.0 vor. Die Zweifel, bestimmte Ziele der Energiewende – zum Beispiel die Sicherung der Lebensgrundlage nachfolgender Generationen – zu erreichen, seien in den vergangenen Jahren gestiegen. Maßnahmen, die sich positiv auf die persönliche Einstellung zum Ausbau erneuerbarer Energien auswirken könnten, seien insbesondere finanzielle Anreize, etwa günstigere Stromtarife.

Frank Glanert stellte vor, wie in enera mithilfe strukturierter Interviews Eindrücke über die Wohnsituation, Besonderheiten und Herausforderungen vor Ort sammelte. Bei einer Überland-Fahrradtour mit zufälligen Begegnungen – zum Beispiel auf dem Bauernhof – lernte enera, die Bedürfnisse der Menschen einzuordnen. In diesen Roadtrips und Barcamps führte enera über 800 Gespräche. Eigens initiierte Grill- und Informationsabende dienten dazu, Netzwerke von Vereinen wie den Landfrauen und dem DLRG anzusprechen.

Zielgruppengerechte Informationen und Ansprache sind wichtige Erfolgsfaktoren

Franziska Mohaupt erforscht in DESIGNETZ, welche Faktoren die Akzeptanz technischer Maßnahmen zur Flexibilisierung von Stromnetzen beeinflussen. DESIGNETZ fand heraus, dass der finanzielle Nutzen für Personen oder Unternehmen Haupttreiber für die Akzeptanz sei und wichtiger als Beiträge zur Netzdienlichkeit. Umweltaspekte können unterstützend wirken. Information sei sehr wichtig für Akzeptanz, weil die Themen Flexibilisierung und Netzstabilität sehr komplex seien.

Melanie Peschel stellte die Mitmachplattform „Ich bin Zukunft“ für eine zielgruppenspezifische Kommunikation vor. Zu den Offline-Aktivitäten zählten Dorffeste, Tram-Talks in München und Mannheim sowie eine Solarfähren-Fahrt auf dem Bodensee. Daraus lernte C/sells: Es gibt Stadt-Land-Unterschiede beim Interesse an Themen und der Wahrnehmung von Handlungsoptionen; Kommunikation muss emotional persönlich involvierend sein, der Absender vertrauenswürdig, Mitmachangebote müssen konkret sein, Fachbegriffe  übersetzt werden.

Ingo Uhlig stellte die Energiewende in einen kulturellen Kontext. Seine Fragen: Wie stellt die deutsche Literatur die Energiewende dar? Sein Ergebnis: Die Literatur geht die Energiewende nicht als historisches Projekt und nationale Herausforderung an, sondern befragt deren kulturelle und soziale Voraussetzungen vor Ort. Sein Fazit: Die Chancen, dass die Energiewende gelingt, steigen, wenn soziale und kulturelle Faktoren – wenn eine funktionierende Gemeinschaft – als Bestandteile des Transformationsprozesses erkannt werden.