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Ministerdialog in Hessen: C/sells-Partner diskutieren mit Tarek Al-Wazir über Energiewende

Partizipation und Akzeptanz: Das sind die Knackpunkte bei der Energiewende. Was es damit auf sich hat – darüber haben Experten am Dienstag, 7. August, in Wiesbaden beim 1. C/sells-Ministerdialog in Hessen diskutiert. Zusammen mit Landes-Energieminister Tarek Al-Wazir sprachen die C/sells-Partner Prof. Heike Wetzel (Universität Kassel), Dr. Thorsten Ebert (Städtische Werke, Kassel), Thomas Weber (EAM, Kassel) und Jens Butz (Devolo, Aachen) über die bisherigen Erkenntnisse auf dem Weg zu mehr Strom aus erneuerbaren Quellen.

Zum Auftakt des Gedankenaustauschs betonte Al-Wazir, dass die Energiewende bei 80 Prozent der hessischen Bevölkerung auf Zustimmung treffe. Neun von zehn Bürgern sprächen sich zudem für eine Schadstoffreduzierung aus, um das Klima zu schützen. Die Energiewende sei zwar ein riesiges Projekt, dennoch appellierte der Minister an die Projektpartner, zuversichtlicher zu sein. Er sei sicher, dass die Energiewende sehr erfolgreich umgesetzt werde.


„Die eigentliche Revolution ist die dezentrale Stromproduktion“, hob Thorsten Ebert hervor. Das Problem sei viel weniger die Tatsache, dass die Energiewende von schwankenden Energiequellen abhänge. „Die Akzeptanz von Windenergieanlagen ist das kritische Thema der Energiewende überhaupt.“ Da die Flächen für die Anlagen den Bürgern gehörten, könne keine Windenergie produziert werden, wenn die regionalen Akteure vor Ort diese ablehnten.


„Viele Kunden wollen Ökostrom, aber fragen nicht‚ wo der herkommt“, versuchte Thomas Weber die Schwierigkeit zu erklären. Manche würden angesichts der Diskussion um intelligente Stromzähler auch um ihre Daten fürchten, vermutete Weber. Um Akzeptanz zu schaffen, müsse Partizipation organisiert werden, empfahl daher Thorsten Ebert.


Wie wichtig diese ist, hatte zuvor Christian Schneider von Smart Grids-Plattform Baden-Württemberg betont. In Tiefeninterviews hatten er und seine Kollegen herausgefunden, dass viele Bürger zwar den Begriff Energiewende schon einmal gehört haben, sich unter intelligenten Energienetzen allerdings nichts vorstellen können und stattdessen an technisch intelligente Häuser, sogenannte Smart Homes, denken. „Wir sollten Ingenieurdeutsch auf Normaldeutsch übersetzen“, sagte Schneider und ergänzte: „Die Energiewende muss Spaß machen.“


Einig waren sich Heike Wetzel und Jens Butz, dass Akzeptanz auch dann besser gelinge, wenn neue Technologien wie Blockchain oder Smart Meter nicht nur theoretisch erforscht und simuliert, sondern stärker auf ihre Praxistauglichkeit getestet würden. Nur so könne ihre Zukunftsfähigkeit erprobt werden.


Einen weiteren Aspekt sprach Al-Wazir an: Er wies darauf hin, dass der bislang im Überfluss vorhandene Strom automatisch zu Verschwendung führe. Bestehe hingegen ein Zwang zur Effizienz, werde man auch technisch besser. Technische Innovationen regional zu testen, sei daher ein Schlüssel zum Erfolg. Wer sagen könne ‚Mein Modul, mein Strom, mein Gewinn‘ profitiere selbst und stehe dem Ausbau der erneuerbaren Energien deshalb offen gegenüber.