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Repräsentative Studie: Norddeutsche befürworten Windenergie und wollen mehr Tempo bei der Energiewende

Zweite Befragung der NEW-4.0-Akzeptanzstudie veröffentlicht

Windenergieanlagen gehören für die Norddeutschen fest zu ihrer Umgebung – so das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Verbundprojekts NEW 4.0. Mit der Umsetzung der Energiewende sind die Befragten allerdings nur in Teilen zufrieden. Die vom Competence Center für Erneuerbare Energien und EnergieEffizienz (CC4E) der HAW Hamburg verantwortete Umfrage schließt an die Ergebnisse einer ersten Befragung an, deren Ergebnisse im Januar 2018 veröffentlich wurden.

Im Vergleich zur ersten Befragungswelle macht sich vor allem eine wesentliche Veränderung bemerkbar: Das Thema „Umwelt-, Klimaschutz und Energiefragen“ ist in den vergangenen Monaten offenbar noch stärker in den Fokus der Bevölkerung gerückt. Lag es in der ersten Umfrage noch auf Rang fünf der gegenwärtig wichtigsten Themen für Deutschland, ist es inzwischen auf den dritten Rang vorgerückt. Gleichbleibend hoch ist die Beunruhigung über den Klimawandel: 86 Prozent der Befragten empfinden den Klimawandel als eher große oder sehr große Bedrohung.

Die Studie belegt auch, dass das Interesse an erneuerbaren Energien und Klimapolitik unmittelbar zu einem höheren Wissensstand führt: Drei Viertel der Befragten, die in ihrem persönlichen Umfeld häufig über diese Themen sprechen, trauen sich zu, den Begriff „Energiewende“ erklären zu können. Diese gefühlte Informiertheit sinkt rapide, wenn erneuerbare Energien und Klimapolitik kein Gesprächsthema sind: In dieser Gruppe sind es nur noch 23 Prozent, die den Begriff erklären könnten. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig es ist, die Bürger über die Energiewende zu informieren und ihre Technologien zu erklären, um Dialoge anzustoßen und die Auseinandersetzung mit dem Thema zu fördern.

Treiber der Energiewende ist im Norden vor allem die Windkraft. Ihr Ausbau wird oft als Barriere für die Akzeptanz der Energiewende gewertet. Diese Einschätzung kann die Studie zumindest für die NEW 4.0-Modellregion (Schleswig-Holstein & Hamburg) widerlegen: 52 Prozent der Norddeutschen empfinden Windenergieanlagen nicht als störend, sondern als zur Landschaft zugehörig. Damit liegen sie deutlich vor Kraftwerken, Fabriken und Industrieanlagen – ein Beleg dafür, wie sehr diese Energieerzeugung in einer Region, die sich rein  rechnerisch schon heute vollständig aus erneuerbaren Energien versorgen könnte, zur Normalität geworden ist.

Bezüglich der Zufriedenheit der Befragten mit der derzeitigen Umsetzung der Energiewende kommt die Studie allerdings zu gemischten Ergebnissen. Kritik wird vor allem an der Gerechtigkeit der Kostenverteilung geäußert – hier sind 26 Prozent der Befragten eher nicht und 27 Prozent der Befragten explizit gar nicht zufrieden. Unzufriedenheit besteht aber auch über das mangelnde Engagement der politischen und der wirtschaftlichen Akteure (23 Prozent bzw. 18 Prozent sind damit gar nicht zufrieden) sowie gegenüber der Geschwindigkeit des Umbaus des Energiesystems (22 Prozent) – hier ist mehr Tempo gewünscht.

Unsicherheit herrscht in Bezug auf die Einschätzung des eigenen Beitrags zur Energiewende. Bislang bleiben die Bürger eher passive Befürworter der Energiewende. Je höher die Befragten die Wirksamkeit ihres eigenen Handelns bewerten, desto stärker ist auch ihr tatsächliches Engagement.

Der Studie zufolge wird das Potenzial, das in der Aktivierung der Bürger liegt, derzeit noch nicht ausgeschöpft. Eine wirksame Akzeptanzförderung sollte genau hier ansetzen Die positive Bewertung des Vorankommens der Energiewende und die empfundene Wirksamkeit eigenen Handelns sind wichtige Faktoren für die Akzeptanzbildung. Diese Argumente sollten in der Kommunikation zur Energiewende gestärkt werden.

In diesem Herbst wird im Rahmen der NEW 4.0-Akzeptanzforschung eine dritte Befragungswelle folgen, um die Veränderung der Einstellungen der Bevölkerung zur Energiewende über die gesamte Projektlaufzeit hinweg zu verfolgen. Die aktuelle Studie, für die 1024 Menschen ab 18 Jahren aus Schleswig-Holstein und Hamburg per Online-Erhebung durch das Institut Ipsos Public Affairs befragt wurden, ist auf der Projektwebsite unter diesem Link abrufbar.

Quelle: NEW 4.0

Sandra Annika Meyer, NEW 4.0

Dr. Sandra Annika Meyer

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Öffentlichkeitsarbeit & Akzeptanzförderung