Skip to main content

SINTEG-Fachgespräche zu netzdienlichen Flexibilitätsmechanismen

Im Oktober und November 2021 fanden drei Fachgespräche im Bereich netzdienliche Flexibilitätsmechanismen statt. Dabei wurden Ergebnisse und Blaupausen zu unterschiedlichen Themen mit einem Fachpublikum diskutiert. 

Die Veranstaltungen in der Übersicht:

27. Oktober 2021
„Daten- und Serviceplattformen
Moderation: Philipp Creutzburg, Guidehouse

04. November 2021
Aggregation von Flexibilitäten“
Moderation: Dr. Christian Nabe, Guidehouse

11. November 2021
„Netzebenenübergreifende Koordination“
Moderation: Nele Maas, Guidehouse & Dr.-Ing. Karsten Burges, RE-xpertise
 

Dr. Christian Nabe (Projektleitung der SINTEG Ergebnissynthese, Guidehouse) skizzierte jeweils zu Beginn den aktuellen Stand der SINTEG-Ergebnisse im entsprechenden Thema. Die fünf Gesamtberichte zum Projekt SINTEG werden im ersten Halbjahr 2022 veröffentlicht.

Daten- und Serviceplattformen als Enabler für akteursübergreifenden Informationsaustausch

Im ersten Fachgespräch mit rund 40 Teilnehmenden stellte Philipp Creutzburg die vorläufige Blaupause zu Daten- und Serviceplattformen (DSP) für den akteursübergreifenden Informationsaustausch vor. Mit den DSP wurden in den SINTEG-Modellregionen lokale Flexibilitätsplattformen umgesetzt. Sie ermöglichten es, heterogene und kleinteilige Flexibilitäten in Prozesse des Engpassmanagements effizient einzubinden. In der diskutierten Blaupause sind DSP wichtige Bausteine eines dekarbonisierten, dezentralisierten und digitalisierten Energiesystems, die über das Management von Flexibilitäten hinaus weitere Anwendungsfälle abdecken können.

Die Teilnehmenden tauschten sich aus, wie DSP eingesetzt werden können – von zentralisierten und dezentralen Ansätzen über Anwendungsfälle im regulierten Bereich des Netzbetriebs bis hin zu Anwendungen im marktlichen Bereich. Eine Erkenntnis: Kurzfristig ist eine „One-size-fits-all“-Plattformlösung nicht möglich. Eher können mehrere parallele DSP und Ansätze zielführend sein. Angemessen erscheint auch eine evolutionäre Weiterentwicklung bestehender DSP, wie sie im Rahmen des Redispatch 2.0-Prozesses zum Einsatz kommen, um zukünftig neue Anwendungsfälle mit Hilfe von DSP umzusetzen.

Aggregationsmodi und Produktdefinitionen von dezentralen Flexibilitäten

Flexibilitätsplattformen spielten in SINTEG eine wesentliche Rolle, um dezentrale Flexibilitäten zum Engpassmanagement zu nutzen. Im zweiten Fachgespräch wurden mit über 40 Teilnehmenden unter der Leitung von Dr. Christian Nabe zwei Designentscheidungen für diese Plattformen diskutiert: Die Definition von Produkten zum Engpassmanagement sowie die Aggregationsebenen von Flexibilitäten.

Die Blaupause zur Produktdefinition zeigt auf, wie an Standardprodukte des Strommarktes angelehnte Produkte in den Flexibilitätsplattformen erfolgreich zur Anwendung kamen. Gleichzeitig wurde klar, dass Langfristprodukte zumindest auf den niedrigeren Spannungsebenen eine Berechtigung haben. In der Diskussion mit den Teilnehmenden rückte eine mögliche Produktvielfalt in den Fokus. Sie bietet Kundinnen und Kunden die Möglichkeit zu wählen. Fahrplanprodukte sind besonders für Kundinnen und Kunden mit intelligentem Energiemanagementsystem oder für die Aggregation geeignet. Bei der Aggregation von Flexibilitäten stellt sich die Frage nach geeigneten Akteuren. Die Expertinnen und Experten der Ergebnissynthese empfehlen, die Aggregation möglichst den Marktakteuren zu überlassen. Entsprechende notwendige Schnittstellen zu Netzbetreibern sollten dabei standardisiert werden.

Diskutiert wurde außerdem eine einheitliche deutsche Flexibilitätsplattform für das Netzengpassmanagement. Den Teilnehmenden erschien prinzipiell wünschenswert, eine solche Lösung weiter zu entwickeln. In den SINTEG-Modellregionen wurden solche Systeme auch getestet. In der Praxis entpuppt sich die hohe Komplexität jedoch als eine große Herausforderung.

Netzebenenübergreifende Koordination essenziell für künftigen Netzbetrieb

In den SINTEG-Modellregionen wurde netzebenenübergreifende Koordination als Teil der lokalen Flexibilitätsplattformen zum Engpassmanagement sowie für das Blindleistungsmanagement erprobt. Nele Maas stellte im dritten Fachgespräch die Blaupause zu Methoden zur netzebenenübergreifenden Koordination der Netzbetreiber zum Engpassmanagement vor. Die Ansätze aus den SINTEG-Pilotprojekten zeigen: Koordination kann zentral oder dezentral gestaltet sein. Die 34 Teilnehmenden diskutierten die Vor- und Nachteile beider Ausprägungen. Die Erkenntnisse aus SINTEG sind bereits in die Redispatch 2.0-Prozesse eingeflossen.

Die Blaupause zum netzebenenübergreifenden Blindleistungsmanagement stellte Dr.-Ing. Karsten Burges vor. Sie zeigt, wie Kundenanlagen im Verteilnetz durch gezielte Steuerung das Blindleistungsmanagement und die Spannungshaltung auf überlagerten Netzebenen unterstützen können. Dies setzt die Koordination zwischen Netzbetreibern voraus. Solche Prozesse wurden in den SINTEG-Modellregionen erprobt, sie sind jedoch nicht etabliert. Ein Grund: Der rechtliche Rahmen zur marktgestützten Beschaffung von Blindleistung wird noch entwickelt. Dieser Unterschied zum Engpassmanagement wurde im Gespräch lebendig diskutiert.

Die Impulse und Erkenntnisse der drei Fachgespräche werden im Ergebnisbericht zum Thema netzdienliche Flexibilitätsmechanismen berücksichtigt.

 

Ansprechpartner


Dr. Christian Nabe

Guidehouse
Associate Director, Projektleiter Ergebnissynthese



Philipp Creutzburg

Guidehouse
Senior Consultant