Nachstehend findet sich eine Auflistung von Fachbegriffen aus dem SINTEG-Vorhaben. 


Abstimmungskaskade
Die Anwendungsregel VDE-AR 4140 standardisiert die Zusammenarbeit zwischen vor- und nachgelagerten Netzbetreibern in kritischen Netzsituationen. Eine funktionierende operative und informatorische Kaskade ist Voraussetzung für einen zuverlässigen Systembetrieb.

Aggregation
Durch Aggregation werden Flexibilitäten von zumeist kleinen und mittleren Lasten und Erzeugern gebündelt. Die gemeinsame Vermarktung der aggregierten Anlagen ermöglicht den Marktzugang, selbst wenn die Anlagen die Anforderungen für eine alleinige Teilnahme am Markt nicht erfüllen. Aggregation wird durch die Rolle des Aggregators vorgenommen.

Agile Entwicklungsprozesse 
In agilen Entwicklungsprozessen wird versucht die Entwurfsphase auf ein Mindestmaß zu reduzieren und im Entwicklungsprozess so früh als möglich zu verwertbaren Ergebnissen (verwendbare Produkte, ausführbare Software, etc.) zu gelangen. Sie sehen kurze, sich abwechselnde Planungs- und Entwicklungsphasen vor und sind somit eine Alternative zum klassischen Wasserfallmodell. Im Idealfall können sie Transparenz und Veränderungsgeschwindigkeit erhöhen und zu einem schnelleren Einsatz der entwickelten Systeme führen, um so Risiken und Fehlentwicklungen im Entwicklungsprozess zu minimieren.

Akteur, Rolle
Marktakteure sind Teilnehmer am Strommarkt, die eine (oder mehrere) Rollen einnehmen. Marktakteure sind insbesondere Stromerzeuger, Stromversorger, Energieversorgungsunternehmen, Netzbetreiber, Verbraucher. Marktrollen zeichnen sich aus durch bestimmte Verantwortlichkeiten und Aufgaben. Marktrollen sind bspw. Einsatzverantwortlicher oder Bilanzkreisverantwortlicher.
Unabhängig von diesen Definitionen kann Akteur auch weitere wichtige Interessengruppen innerhalb der Branche Energiewirtschaft bezeichnen, wie Regulator, Politik, Wissenschaft, Gesellschaft.
Im Kontext Digitalisierung (Synthesefeld 3): Ein Akteur modelliert eine menschliche oder nicht-menschliche Rolle, die mit einem System interagiert. Der Akteur kann dabei sowohl aktiv das System benutzen und dadurch Anwendungsfälle auslösen, als auch passiv vom System benutzt werden, um Anwendungsfälle realisieren zu können.

Akzeptanz
Im Kontext der Schaufensterarbeit folgt Akzeptanz näherungsweise der Definition, „dass jemand (bzw. ein näher zu definierendes Akzeptanzsubjekt), etwas (Akzeptanzobjekt) innerhalb der jeweiligen Rahmen- oder Ausgangsbedingungen (Akzeptanzkontext) akzeptiert oder annimmt." Weiter gefasst betrachtet Akzeptanz im SINTEG-Kontext die soziale Dimension der Schaufensterarbeit, insbesondere hinsichtlich der gesellschaftsrelevanten Auswirkungen eines weitestgehend auf erneuerbaren Energien basierenden Energiesystems, dessen fortschreitender Integration und Flexibilisierung und der damit verbundenen Digitalisierungsaspekte. Akzeptanz ist in diesem Zusammenhang als dynamisches Phänomen zu verstehen.

Akzeptanzförderung
Förderung (gesellschaftlicher) Akzeptanz hinsichtlich spezifischer Projektziele und/oder der generellen Steigerung der gesellschaftlichen Akzeptanz der Energiewende. Dabei sollen relevante zielgruppenspezifische Themen der Energiezukunft aktiv ins Gespräch gebracht werden, um die Entwicklung des zukünftigen Energiesystems zu unterstützen.

Anforderung
Leistungsmerkmal, das die durch ein Produkt zu erfüllenden Kriterien vermittelt.

Anreizregulierung
Stromnetze stellen natürliche Monopole dar. Damit die Netzbetreiber jedoch keine Monopolgewinne erzielen und die Netze so kostensparend wie möglich betrieben werden, werden die Stromnetzbetreiber durch die Anreizregulierung reguliert. Diese sichert die transparente Kalkulation von Entgelten für die Durchleitung von Strom und Gas sowie ausreichend Erlöse für den Betrieb der Netze.

Arbeitspreis
Im Rahmen der Abrechnung von Bezugskosten für Strom wird zwischen einem Grund- bzw. Leistungs- und einem Arbeitspreis unterschieden. Anhand des Arbeitspreises werden die Kosten des bezogenen Stroms berechnet. Der Arbeitspreis wird in Cent pro Kilowattstunde angegeben. Der Arbeitspreis setzt sich aus Beschaffungskosten, Netzentgelten, Konzessionsabgaben, staatlichen Steuern und Abgaben zusammen. Ebenso wird bei der Vergütung auf Regelenergie-/Regelleistungsmärkten und lokalen Flexibilitätsmärkten zwischen der Zahlung eines Leistungs- und Arbeitspreises unterschieden. Je nach Produkt kann die Vorhaltung von Leistung mit einem Leistungspreis in Cent pro Kilowatt und/oder die abgerufene Energie mit einem Arbeitspreis in Cent pro Kilowattstunde vergütet werden.

Architektur
Die Architektur definiert die grundlegende organisatorische Struktur, verkörpert durch deren Komponenten, deren Beziehungen zueinander sowie zur Umwelt und den Prinzipien und Richtlinien, die das Design, die Fähigkeiten und die Entwicklung eines Systems im Laufe der Zeit leiten (übersetzt aus dem Standard ISO/IEC/IEE 42010:2011).

Architektur-Framework (Rahmenwerk)
Ein Architektur-Framework etabliert eine gemeinsame Praxis für die Erstellung, Interpretation, Analyse und Verwendung von Architekturbeschreibungen innerhalb einer bestimmten Anwendungsdomäne oder Stakeholder-Community.
Hinweis: Insbesondere die Domäne innerhalb eines Unternehmens oder einer anderen Organisation wird durch Enterprise Architecture Frameworks abgedeckt.

Ausgleichsenergie
Der Begriff Ausgleichsenergie bezeichnet die Umlage der Abrufkosten der Regelenergie auf die verschiedenen Akteure im Stromnetz. Jeder Stromproduzent und jeder kommerzielle Stromabnehmer (bspw. Energieversorger oder Industrieunternehmen) muss die Strommenge prognostizieren, die von ihm am Folgetag ins Netz eingespeist (also verkauft) bzw. aus dem Netz entnommen (also verbraucht) wird. Dieses Prinzip der Bilanzkreise gewährleistet die Netzsicherheit in jeder Minute eines jeden Tages. Abweichungen zu den Prognosen resultieren in einem Regelenergieeinsatz, welcher den Verursachern über die Ausgleichsenergie in Rechnung gestellt wird.

Automatisierungspyramide
Der Begriff Automatisierungspyramide kam mit der zunehmenden Automatisierung von Produktions- und Fertigungsbetrieben in den achtziger Jahren auf und umfasste anfangs die unteren drei Ebenen betrieblicher Arbeitssysteme: Ein-Ausgabeebene, Automatisierung und Mensch-Maschine-Schnittstelle.

Back casting
Als back casting wird ein Planungsprozess bezeichnet, der vom gewünschten Zielzustand in der Zukunft ausgeht und daraus ableitet, welche Schritte zum Erreichen des Ziels notwendig sind. Der Begriff stellt den Gegensatz zum fore casting dar, bei dem vom aktuellen Zustand eine Entwicklungsvorausschau gemacht wird.

Begleitforschung
Die wissenschaftliche Begleitforschung des SINTEG-Förderprogramms unterstützte die Schaufensterregionen. Sie wurde für das Wissens- und Netzwerkmanagement, das Monitoring und die Evaluation beauftragt. Ziel der Begleitforschung war es die Wirksamkeit der Förderung zu verbessern, eine hohe Sichtbarkeit und nachhaltige Breitenwirksamkeit sicherzustellen sowie Innovationsprozesse zu unterstützen (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz [BMWK], 2022b).

Beteiligung
Beteiligung fasst im Rahmen der Schaufensterarbeit ganzheitlich die Verbindung der Ansätze Partizipation, Akzeptanz und Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit zusammen. Beteiligung hat dabei oft auch eine stark kommunikative Komponente bspw. im Rahmen von Einzelgesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern. Der Begriff grenzt sich dabei bewusst von der Terminologie der traditionellen Bürgerbeteiligung in politischen Prozessen ab und agiert als über die Energiewende hinausgehender Zweck.

Betriebsführung
Unter der Betriebsführung wird die Steuerung und Überwachung des Stromnetzes durch die Netzbetreiber verstanden. Dazu zählt die Koordination der Systemdienstleistungen (Frequenzhaltung, Spannungshaltung, Netzwiederaufbau) sowie das Netzengpassmanagement.

Blaupause
Blaupausen stellen im Kontext der SINTEG-Ergebnissynthese generalisierte, skalier- und übertragbare Lösungen dar, die aus den Ergebnissen der Schaufenster im SINTEG Förderprogramm abgeleitet werden. Sie zeigen beispielsweise Kombinationen von Anwendungsfällen, Technologien, Rahmenbedingungen und Geschäftsmodellen auf, die eine Übertragbarkeit und Skalierbarkeit der Ergebnisse der Schaufenster auf Bundesebene über den Rahmen von SINTEG und dessen Laufzeit hinaus beinhalten. Die Blaupausen richten sich damit an Fachexpertinnen und -experten. Blaupausen werden mit Übertragbarkeitsbedingungen versehen. Somit ergibt sich eine weite Definition, die auch mittel- und langfristig übertragbare Lösungen sowie auch Lösungen mit einem niedrigerem Technologiereifegrad beinhaltet, die weiterentwicklungsfähig sind.

Co-kreativer Prozess/ Co-Creation
Ein co-kreativer Prozess zeichnet sich aus durch das Entwickeln neuer Ideen sowie das Erforschen und Generieren neuer Produkte gemeinsam mit Nutzerinnen und Nutzern. Alle Teilnehmenden setzen sich mit dem Thema und Produkt intensiv auseinander, was das Bewusstsein dafür schärft.  In einem co-kreativen Prozess begegnen sich die Teilnehmenden auf Augenhöhe, es werden neue Sichtweisen eingebracht und Konflikte verhandelt. Dadurch kann Neues erschaffen, routinisiertes Denken aufgebrochen und innovative, nutzer-orientierte Produkte hervorgebracht werden. 

Community
Communities bringen z.B. thematisch und/oder regional relevante Akteurinnen und Akteure zusammen und leben von einer aktiven Teilhabe und der Interaktion der Mitglieder: Die Community ist nach dem Duden eine „Gruppe von Menschen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, gemeinsame Interessen pflegen [und] sich gemeinsamen Wertvorstellungen verpflichtet fühlen".

Cosphi-Regelung
Der Leistungsfaktor oder Wirkleistungsfaktor beschreibt in der Elektrotechnik das Verhältnis von Wirk- und Scheinleistung in Wechselstromsystemen. Unter Vernachlässigung von Oberschwingungen wird für den Leistungsfaktor vereinfachend umgangssprachlich oft synonym der cos phi verwendet. Über die Beeinflussung des Leistungsfaktors ist es möglich, in elektrischen Netzen die Spannungsprofile zu beeinflussen und / oder die Übertragungsverluste zu minimieren. Eine cosphi-Regelung erlaubt über geeignete technische Anlagen und Schnittstellen die gezielte Beeinflussung des Leistungsfaktors, um diese Ziele zu erreichen. Dabei kann die Regelung grundsätzlich Erzeugungsanlagen, elektrische Lasten oder Netzbetriebsmittel wie z.B. Kompensationsanlagen einbeziehen.

DA/RE-Plattform
DA/RE steht für „DAtenaustausch/REdispatch". Die Plattformlösung DA/RE, initiiert von TransnetBW und Netze BW, organisiert die vertikale Abstimmung und den dafür erforderlichen Datenaustausch zwischen den Netzbetreibern und mit den Einsatzverantwortlichen der Erzeugungsanlagen. DA/RE wählt dazu die effizientesten Anlagen zur Lösung der von den Netzbetreibern prognostizierten Engpässe aus und ermöglicht eine effektiv koordinierte Aktivierung der Redispatch-Maßnahmen (www.dare-plattform.de).

Data Hub
Eine Datendrehscheibe (engl. Data hub) ist eine Sammlung von Daten aus mehreren Quellen, die zur Verteilung, Unterteilung sowie gemeinsamen Nutzung organisiert ist. Im Allgemeinen erfolgt diese Datenverteilung in Form einer Hub-and-Spoke-Architektur.

Daten- und Diensteplattform
Daten- und Diensteplattformen sind Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)-Plattformen, die den Zweck verfolgen, Energiedaten in einem dezentralen Energiesystem zu managen, verschiedene Akteure zu verknüpfen und ihnen die Energiedaten bereitzustellen sowie Services anzubieten, die auf den Energiedaten aufbauen.

Datenkaskade
Die Steuerungs- und Informationskaskade baut sich vom Verteilnetz zum Transportnetz auf. Dieser sinnvolle Aufbau der Datenkaskade ermöglicht die Informations- und Steuerungsbedarfe in Echtzeit zukünftig schon in Verteilnetzzellen zu identifizieren und zu verarbeiten, so dass nur ein Überlauf in der nächsthöheren bzw. nächstgrößeren Netzebene wahrgenommen werden muss (DESIGNETZ, 2021).

Dekarbonisierung
Umstellung von Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen mit dem Ziel einer Abkehr von kohlenstoffhaltigen Energieträgern.

Demand Response
Damit wird die kurzfristige, aktive Veränderung der Verbraucherlast bezeichnet (zu Deutsch: Laststeuerung) als Reaktion auf ein externes Signal. Dieses Signal kann entweder ein Marktsignal sein (wie zeitabhängige Strompreise oder Anreizzahlungen) oder auf eine Aktivierung im Rahmen einer vertraglich zugesicherten Leistung folgen. Dabei kann die Last entweder zeitlich verschoben, sprich vorgezogen oder nachgelagert werden (Lastverschiebung) oder sie wird reduziert bzw. gänzlich ausgesetzt (Lastreduktion bzw. Lastabwurf) (in Anlehnung an Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung et al. (o.J.b) und Definition in der EU-Strombinnenmarktrichtlinie 2019/944). 

Demand Side Management
Demand Side Management wird als Oberbegriff verstanden, der sowohl Demand Response umfasst, als auch längerfristige, andauernde Verbrauchslaständerungen bspw. auf Grund von Effizienzmaßnahmen (siehe auch Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung et al. (o.J.c)).

Demonstrator
Demonstrationsprojekte die eine praktische Umsetzung der SINTEG Inhalte in Gebäuden, Liegenschaften, Stadtteilen, regionalen oder überregionalen Gebieten aufgebaut und Live betrieben haben.

Detail-Blaupause
Blaupausen werden teilweise konkretisiert durch Detail-Blaupausen. Diese haben die gleichen Eigenschaften wie Blaupausen, bilden aber spezifische (technische) Umsetzungen einer Lösung ab. Verschiedene Detail-Blaupausen zeigen damit innerhalb einer Blaupause unterschiedliche Lösungsansätze auf.

Digitalisierung
Digitalisierung ist ein weitreichender Begriff von der Umwandlung von analogen Werten in digitale Formate bis hin zum digitalen Wandel der Gesellschaft und der Wirtschaft durch die zunehmende Nutzung digitaler Technologien. Im Energiesystem beinhaltet dies die Erfassung, Verarbeitung, Vernetzung, den Austausch sowie die Analyse von Daten über die verschiedenen Wertschöpfungsstufen der Energieversorgung hinweg.

Diskriminierungsfreiheit
Diskriminierungsfreiheit bedeutet, dass Nutzern der Zugang zum Stromnetz sowie den Energiemärkten nicht willkürlich verwehrt oder erschwert werden kann. Diskriminierungsfreier Markt- und Netzzugang fördert den Wettbewerb. Die Zugang kontrollierende Instanz, bspw. der Netzbetreiber, wird hierfür reguliert und wesentliche Vertragsbedingungen für Netz- und Marktzugang werden durch Standardverträge harmonisiert. So können transparente Zugangsbedingungen hergestellt werden.

Distributed Ledger Technologie
Distributed Ledger Technologien sind Datenbanksysteme, die eine Speicherung und Verifizierung von Daten in Peer-to-Peer-Netzwerken ermöglichen. Damit braucht es in solchen Netzwerken keine zentrale Datenspeicherung oder übergeordneten Verwalter. Die Kommunikation erfolgt direkt zwischen vernetzten Rechnern. Dabei werden neu eingehende Transaktionen im Netzwerk auf Basis verschiedener Konsensmechanismen überprüft, bestätigt, unveränderbar kryptografisch miteinander verkettet und verteilt abgespeichert. Die bekannteste Ausprägung dieser Technologie sind Blockchains (nach Bundesnetzagentur [BNetzA] (2021) und (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur [BMVI], 2019)).  

Doppelhöckerverfahren
Für die Präqualifikation von Anlagen für die Regelleistungsbereitstellung muss das Doppelhöckerverfahren absolviert werden. Dabei steuert der Regelleistungsanbieter die Anlage entsprechend einem charakteristischen Lastprofil, der sogenannten Doppelhöckerkurve. Die zu präqualifizierende Anlage muss in einem vorgegebenen Zeitraum zweimal hintereinander einen bestimmten Leistungswert anfahren, diesen für eine gewisse Zeit halten und dann wieder in den Ausgangszustand zurückfahren. Dabei unterscheiden sich die Vorgaben für die Betriebsfahrt der Anlage je nach Regelreserveart.

Einspeisemanagement (EinsMan)
Um das Stromnetz zu stabilisieren werden situationsabhängig, gezielte Einsenkungen der Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien zur Behebung von Netzengpässen von Netzbetreibern vorgenommen. Dies wird als Einspeisemanagement bezeichnet.

Emergenz
Sammelbezeichnung für das Auftreten bzw. Erscheinen neuer Eigenschaften, Phänomene und Verhaltensweisen im Zuge von Interaktionsbeziehungen eines Systems als fundamentale Systemeigenschaft.

Enabling Technology
Eine Enabling Technology ist eine Erfindung oder Innovation, die eingesetzt werden kann, um disruptive Veränderungen in den Fähigkeiten eines Anwenders oder einer Kultur voranzutreiben. Enabling Technologies zeichnen sich durch eine schnelle Entwicklung nachfolgender abgeleiteter Technologien aus, oft in verschiedenen Bereichen

Engpassmanagement
Summe aller Maßnahmen des Netzbetreibers zur Vermeidung bzw. Behebung eines Engpasses (z. B. Auktionen, Redispatch, Countertrading, Market Splitting).

EnOcean-Technologie
Enocean bezeichnet einen vor allem in der Überwachung und Steuerung von Gebäudetechnik genutzten herstellerübergreifenden Standard für batterielose Funksensorik.

Experimentierklausel
Experimentierklausel ist eine Rechtsvorschrift, die es den für ihre Umsetzung und Durchsetzung zuständigen Behörden ermöglicht, für die Erprobung innovativer Technologien, Produkte, Dienstleistungen oder Ansätze von Fall zu Fall ein gewisses Maß an Flexibilität walten zu lassen (Rat der Europäischen Union, 2020).

Feldtest 
Austesten einer Lösung (Technologien/Kopplung von Technologien oder Geschäftsmodellen) unter realen Bedingungen. Ein Feldtest kann einen experimentellen Charakter haben und im Sinne eines Realexperiments Lösungen mit niedrigerem TRL in einer realen Einsatzumgebung im kleinen bzw. geschützten Rahmen austesten.  In vielen Fällen wird jedoch bei einem Feldtest ein größerer Praxistest eines Prototypens im realen Einsatz und im Zusammenspiel mit mehreren Komponenten durchgeführt (TRL 6-7). Ein Feldtest kann mehrere Demonstratoren umfassen.

Flexibilität / Flexoption
Flexibilität bezeichnet hierbei die Veränderung von Einspeisung oder Entnahme in Reaktion auf ein externes Signal – Preissignal oder Aktivierung – mit dem Ziel, eine Dienstleistung im Energiesystem zu erbringen. Elemente, die diese Fähigkeit besitzen, werden als Flexoptionen bezeichnet. Dazu zählen flexible Erzeuger, flexible Verbrauchsanlagen sowie Speicher.

Flexkataster/Meta-Flexkataster
Im Schaufenster C/sells wurde der Begriff Flexibilitäts-Kataster (Flexkataster) geprägt. Er bezeichnet eine Datenbank über die verfügbare Flexibilität aller Flexibilitätsoptionen innerhalb einer Zelle, wie beispielsweise einzelnen Anlagen oder auch ganze Liegenschaften oder Quartiere. Das Flexkataster nutzt ein standardisiertes Modell für die Daten einer Flexibilität (Flexibilitätsdatenmodell), welches alle zur Beschreibung einer Flexibilität notwendigen Parameter enthält (bspw. Anlagenart, zur Verfügung stehende Flexibilität). Das Meta-Flexkataster stellt analog zum Flexkataster Informationen über die verfügbare Flexibilität im Energiesystem bereit, jedoch nicht für einzelne Anlagen, sondern auf Ebene der Zellen aggregiert. Das Meta-Flexkataster enthält damit nur Informationen, die für den Austausch von Flexibilität zwischen verschiedenen Zellen notwendig sind (Haller, Langniß, Reuter & Spengler, 2020).

Gamification
Gamification ist die Übertragung von spieltypischen Elementen und Vorgängen in spielfremde Zusammenhänge mit dem Ziel die Motivation von Anwenderinnen und Anwendern ihr Verhalten zu verändern zu steigern. Im SINTEG-Kontext wurden für das spielerische Ausprobieren von Energiemanagementsysteme unterschiedliche Gamification-Elemente angewandt.

Grundpreis
Bei dem Grundpreis handelt es sich um eine monatliche, pauschale Grundgebühr, die unabhängig von dem Stromverbrauch anfällt.

Hardware-in-the-Loop
Eine wichtige Brücke zwischen theoretischen Simulationen und praktischen Experimenten ist der Hardware-in-the-Loop-Ansatz, bei dem simulierte und reale Komponenten gemeinsam in einem Experiment eingesetzt werden. Im Energiesystemkontext werden vor allem Regelungsansätze („Controller-Hardware-in-the-Loop“) und Leistungskomponenten („Power-Hardware-in-the-Loop“) in solchen Experimenten eingesetzt.  

Human-Centered-Design
Human-Centered-Design umfasst einen Ansatz, der darauf abzielt, Produkte oder Dienstleistungen grundsätzlich so nutzerinnen- und nutzerfreundlich wie möglich zu gestalten. Die Perspektive von Nutzerinnen und Nutzern wird dabei in allen Entwicklungsschritten in den Mittelpunkt gerückt, um so individuelle Eigenschaften und Verhaltensweisen von Nutzerinnen und Nutzern von Beginn an mit in die Entstehung eines Produktes einfließen zu lassen.

Hyperscaler
Im Bereich der Datenverarbeitung bezeichnet  „to hyperscale“  die Fähigkeit einer Architektur, bei steigender Nachfrage nach dem System angemessen zu skalieren. Dazu gehört in der Regel die Fähigkeit, einem bestimmten Knoten oder einer Reihe von Knoten, die eine größere Computer-, verteilte Computer- oder Grid-Umgebung bilden, nahtlos Rechen-, Speicher-, Netzwerk- und Speicherressourcen bereitzustellen und hinzuzufügen. Hyperscale Computing ist notwendig, um ein robustes und skalierbares Cloud-, Big-Data-, Map-Reduce- oder verteiltes Speichersystem aufzubauen, und wird häufig mit der Infrastruktur in Verbindung gebracht.

Inc-dec Gaming
Increase-decrease Gaming (kurz: Inc-dec Gaming) ist eine Art des strategischen Gebotsverhaltens von Marktakteuren auf Energiemärkten. Voraussetzung des Inc-dec-Gaming ist das parallele Vorhandensein eines zonalen Marktes (bspw. Spotmarkt) und eines Marktes mit lokaler Preisbildung (bspw. Flexplattform). Dies ermöglicht es Akteuren ihre Gebotsstrategie auf dem zonalen Markt anzupassen. Die Akteure weichen auf den Markt mit dem günstigeren Preis (Verbraucher) bzw. höheren erwarteten Erlösen (Erzeuger) aus. Dementsprechend kann es zur Zurückhaltung oder zum Überangebot von Last oder Erzeugung auf dem zonalen Markt kommen. Inc-dec Gaming bietet Marktteilnehmern die Möglichkeit zusätzliche Renditen zu generieren, kann jedoch Engpässe im Netz verschärfen.

Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS)
Ein Information Security Management System (ISMS, engl. für „Managementsystem für Informationssicherheit“) ist die Aufstellung von Verfahren und Regeln innerhalb einer Organisation, die dazu dienen, die Informationssicherheit dauerhaft zu definieren, zu steuern, zu kontrollieren, aufrechtzuerhalten und fortlaufend zu verbessern (Definition findet sich im Standard ISO/IEC 27002:2013). 

Infrastruktur
Der notwendige technische Unterbau, der für das Funktionieren eines digitalisierten Energiesystems notwendig ist.

Infrastrukturzelle, Energiezelle, Zelle
Im Schaufenster C/sells wurde der Begriff Zelle geprägt, um autonome Einheiten im Energiesystem zu beschreiben. Zellen stellen eine Organisationsebene dar, die vorhandene Steuerungsmechanismen und Märkte ergänzt. Zellen können einzelne Gebäude, aber auch ganze Liegenschaften, Areale, Quartiere, Städte oder Regionen sein. Über den Einsatz von Energieerzeugern und -verbrauchern in einer Zelle kann weitgehend autonom entschieden werden, wodurch Erzeugung und Verbrauch in der Zelle optimal abgestimmt werden können. Über die Grenzen der Zelle hinaus erfolgt auch eine Abstimmung zwischen verschiedenen Zellen, zur Optimierung des gesamten Energiesystems. Hierfür sind die Zellen über das Kommunikationsnetz miteinander verbunden und können über das Strom- und ggf. auch Wärme- und Gasnetz Energie und energienahe Dienstleistungen austauschen (Haller et al., 2020).

Innovationsgehalt
Der Innovationsgehalt einer Blaupause beschreibt qualitativ den in SINTEG erreichten Neuigkeitsgehalt und damit verbundenen Erkenntnisgewinn in Relation zum bisher erreichten Kenntnis- und Entwicklungsstand. Dabei wird der heutige Kenntnis-/ Entwicklungsstand in Deutschland  berücksichtigt. Ein Teilaspekt des Innovationsgehaltes ist die Erhöhung des Technologiereifegrades einer Lösung durch Forschung, Entwicklung, Demonstration und praktischen Einsatz.

Innovationssystem
Innovationssysteme bezeichnen ein Netzwerk von Akteuren, die in enger Interaktion stehen und miteinander an der Erschaffung, Verbreitung und Anwendung wissenschaftlichen oder technologischen Wissens beteiligt sind. Im Rahmen von SINTEG sind Innovationssysteme besonders hinsichtlich der Umsetzung von systemischen Innovationen relevant. Als systemische Innovation wird dabei eine Art von Innovation bezeichnet, die nur dann erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn diese Innovation synergetisch mit anderen komplementären Innovationen integriert ist und über die Grenzen einer einzelnen Organisation bzw. Institution hinausgeht. 

Inselnetz
Ein Inselnetz ist ein Stromnetz, welches keine Verbindung zu anderen Stromnetzen, bzw. dem Verbundnetz aufweist. Das Inselnetz wird autonom betrieben und versorgt ein begrenztes räumliches Gebiet, in der Regel auf Basis weniger Erzeugungsanlagen. Dies steht im Gegensatz zu einem Verbundnetz, bei dem mehrere Netze miteinander synchron verbunden sind. Im Falle einer großräumigen Störung im Verbundnetz können Teilnetze auf Basis schwarzstartfähiger Kraftwerke Inselnetze bilden. Als Resynchronisation wird dann die sukzessive Synchronisierung und Verbindung der einzelnen Inselnetze verstanden.

Interoperabilität
Interoperabilität ist die „Fähigkeit unterschiedlicher Systeme, möglichst nahtlos zusammenzuarbeiten“ (Definition nach dem Standard ISO/IEC/IEEE 24765:2017). Im Bereich von SINTEG führt die zunehmende Vernetzung des Energiesystems zu einer Vielzahl von Akteuren, Systemen und Geräten, die miteinander kommunizieren und interagieren müssen. Die Sicherherstellung von Interoperabilität ist daher ein Schlüsselfaktor im vernetzten Energiesystem.

Involvement
Im Schaufenster NEW 4.0 verwendeter Begriff, um die schaufenster-relevanten Partizipationsmöglichkeiten zu fassen.

IT-/OT-Konvergenz
Die IT/OT-Konvergenz ist ein Teilaspekt der Digitalisierung und bezeichnet die Integration beider Welten – Operation Technologies (OT) und Information Technologies (IT). OT bezeichnen IKT-Systeme, die direkt mit physikalischen Geräten oder technischen Prozessen interagieren. IT umfassen in diesem Zusammenhang die IKT-Systeme für die Abwicklung von geschäftlichen oder administrativen Prozessen und Transaktionen wie Rechnungswesen, Vertragswesen oder Kundenmanagement (Leopoldina, acatech & Union der deutschen Akademie der Wissenschaften, 2021).

Komplexität
Grad der Abhängigkeiten und Vernetzungen in der Struktur eines Systems. Mit zunehmender Komplexität wird die Struktur eines Systems aufgrund der zahlreichen Komponenten, Interaktionen sowie Wechselwirkungen zwischen den Komponenten schwerer zu verstehen. Im Kontext des Systems Engineering wird die Komplexität in der Regel innerhalb der drei Unterkategorien "Strukturelle Komplexität", "Dynamische Komplexität" und "Sozialpolitische Komplexität" unterschieden, die unterschiedliche Perspektiven auf die verschiedenen Dimensionen darstellen.

Konsortium
Ein Konsortium ist ein Zusammenschluss mehrerer rechtlich und wirtschaftlich selbstständig bleibender Unternehmen zur zeitlich begrenzten Durchführung eines vereinbarten Zwecks. Im Rahmen des SINTEG Programms wurden fünf Konsortien gebildet, in denen zusammen mehr als 300 Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in unterschiedlichen Formen in sogenannten „Schaufenstern“, zusammenarbeiteten.  

Kritische Infrastrukturen (KRITIS)
Einrichtungen, Anlagen oder Teile davon, die den Sektoren Energie, Informationstechnik und Telekommunikation, Transport und Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung sowie Finanz- und Versicherungswesen angehören und von hoher Bedeutung für das Funktionieren des Gemeinwesens sind, weil durch ihren Ausfall oder ihre Beeinträchtigung erhebliche Versorgungsengpässe oder Gefährdungen für die öffentliche Sicherheit eintreten würden (nach Bundesministerium des Innern (2009)).

Lastverschiebung/ Lastverschiebepotenzial
Als flexibilisierte Steuerungsmaßnahme ist die Lastverschiebung vornehmlich in industriellen Prozessen vorzufinden. Als Lastverschiebung kann die gesteuerte Erhöhung oder Minderung der Last bezeichnet werden. Bei der Lastverschiebung wird im Gegensatz zum Lastabwurf in Summe nicht weniger Strom verbraucht als eigentlich geplant – der Strom wird nur zu anderen Zeiten als geplant verbraucht. Siehe auch Definition Demand Response und Demand Side Management.

Leistungspreis
Der Leistungspreis wird für die maximal genutzte Leistung für einen Netzanschluss von Industrie- und Geschäftskunden berechnet. Damit wird die Bereitstellung des Netzanschlusses mit den damit verbundenen Systemdienstleistungen (z. B. Regelenergie) abgedeckt. Bei Haushalts- und Gewerbekunden entspricht der Leistungspreis dem Grundpreis.
Auf Regelleistungsmärkten und lokalen Flexibilitätsmärkten kann je nach Ausgestaltung ein Preis für die Vorhaltung einer Leistung gezahlt werden, neben der möglichen Zahlung eines Arbeitspreises.

(Lokale) Flexibilitätsplattform/Flexplattform/Flexmarkt
Hierbei handelt es sich um marktlich organisierte Plattformen für den Handel von netzdienlicher Flexibilität mit dem Ziel, Netzengpässe auf Verteil- und Übertragungsnetzebene zu verhindern oder zu lösen. Da Netzengpässe lokal auftreten, spielt im Gegensatz zu dem zonalen Markt die Verortung einer Anlage eine entscheidende Rolle. Damit ist die Anzahl der Marktteilnehmer auf Anbieterseite auf diejenigen begrenzt, die einen Einfluss auf einen Netzengpass haben können. Auf der Nachfrageseite steht entsprechend der jeweilige Netzbetreiber, in dessen Netz ein Netzengpass auftritt.

Lösung
Als Lösung wird eine Kombination aus Software- und/oder Hardwarekomponenten für die Bewältigung einer bestimmten, konkreten Aufgabenstellung verstanden. Unternehmen, die derartige Gesamtlösungen für Kunden vertreiben nennt man Lösungsanbieter. Lösungsanbieter, die Software und/oder Hardware nicht selber herstellen, sondern Produkte Dritter vertreiben und für den Kunden anpassen, nennt man auch Systemintegratoren.

Marktdienlichkeit
Der Begriff Marktdienlichkeit wird in zonalen Preissystemen für Maßnahmen verwendet, die zum Ausgleich der Systembilanz dienen. In dieser Studie werden Netzdienlichkeit (im engeren Sinne) und Marktdienlichkeit als Systemdienlichkeit verstanden.

Marktmacht
Marktmacht liegt vor, wenn ein oder mehrere Markteilnehmer eine beherrschende Stellung auf einem Markt einnehmen und dadurch die Fähigkeit haben, Preise jenseits eines wettbewerblichen Niveaus zu setzen, also ihre Marktmacht zu missbrauchen. Insbesondere in Märkten mit geringer Liquidität und Wettbewerb besteht das Risiko zur Ausübung von Marktmacht, also die Beeinflussung der Preisbildung.

M-Bus
M-Bus (oder auch Meter-Bus) ist eine technische Norm die Regeln zur Übertragung von Zählerdaten, z.B. der Verbrauch von Strom in Stromzählern, aber auch Gas, Wärme, etc. definiert.

Merit-Order
Als Merit-Order (englisch Reihenfolge der Leistung) wird die Einsatzreihenfolge von Anlagen zur Stromerzeugung bezeichnet. Die Reihenfolge wird durch die variablen Kosten der Stromerzeugung bestimmt. Beginnend mit Anlagen mit den niedrigsten Grenzkosten werden solange Kraftwerke mit höheren Grenzkosten zugeschaltet, bis die Nachfrage gedeckt ist.

Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren können Personen oder Institutionen sein, die Fachinformationen, Strategien und Kompetenzen innerhalb einer Gruppe oder Gemeinschaft vermitteln und fördern. Sie haben eine wichtige Transferfunktion, indem sie die Reichweite von Wissen und Erfahrungen erhöhen. Im Kontext von SINTEG gelten besipielsweise Branchenverbände, Landesenergieagenturen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Landesministerien oder Landesumweltämtern zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Multi-Sparten-Versorger
Als Mehrspartenversorger (engl.: multi utilities) wird in der Dienstleistungs- und Versorgungsindustrie die Bereitstellung von Strom, Wasser, Gas oder auch Hausmüllentsorgung aus einer Hand, also einem Dienstleister, bezeichnet.

Narrativ
Narrativ im substantivischen Gebrauch bezeichnet im Kontext von SINTEG eine sinnstiftende Meta-Erzählung, die den Zweck verfolgt, eine verbindende Kernbotschaft quer über alle in SINTEG involvierten Akteure und gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit zu vermitteln. Dies kann insbesondere dem Aufbau einer Gemeinschaft, beispielsweise eines Konsortiums, dienen, die inhaltliche Grundlage für die Zusammenarbeit an gemeinsamen Vorhaben bilden und Werte und Emotionen in einem bestimmten, abgegrenzten Bereich wie einem Schaufenster, oder einer Region, an die unterschiedlichen Interessensgruppen (u.a. diverse Branchen, End-Nutzer, Politik, etc.) übermitteln.

Netzampel/Ampelkonzept
Das Ampelkonzept stellt ein Modell vor, wie Marktteilnehmer und Verteilnetzbetreiber (VNB) bei Netzengpässen im Verteinetz in Zukunft miteinander interagieren. In der Logik einer Ampel wird zwischen der grünen Marktphase, in der das Stromnetz dem Markt ohne Einschränkungen zur Verfügung steht, und der roten Netzphase, in der die Netzstabilität gefährdet ist, eine gelbe Übergangsphase beschrieben. Die gelbe Phase tritt ein, wenn sich ein Netzengpass in einem definierten Netzsegment abzeichnet. In der gelben Phase rufen VNB die von Marktteilnehmern angebotene Flexibilität in diesem Netzsegment ab, um die rote Phase zu verhindern (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft [BDEW], 2017).

Netzbetriebsmittel
Netzbetriebsmittel sind die verschiedenen Elemente eines Stromnetzes. Zu den Netzbetriebsmitteln gehören Freileitungen, Kabel, Schaltanlagen und Netzstation, die den Übergang zwischen zwei Spannungsebenen bilden, sowie Schutz- und Leittechnik (nach Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE [VDE FNN] (2022)).

Netzengpass
In einzelnen Regionen des Stromnetzes kann es zu zeitlich befristeten Engpässen kommen, wenn die Stromeinspeisungen die Transportkapazität der betroffenen Netzkomponenten überschreiten. In der Folge werden die von einem Engpass betroffenen Erzeugungsanlagen zum Schutz des Netzes in ihrer Einspeiseleistung gedrosselt. Dadurch vermeiden Netzbetreiber Versorgungsausfälle und Beschädigungen der Netzanlagen, siehe Einspeisemanagement.

Netzdienlichkeit
Netzdienlichkeit (im engeren Sinne liegt) vor, wenn der Netznutzer seine Flexibilität nach Vorgabe des Netzbetreibers einsetzt, um eine ohne sein Verhalten bereits existierende oder drohende Netzüberlastung abzumildern. Hier erfolgt ein direkter Eingriff in das Verhalten des Netznutzers durch Vorgabe einer zu erbringenden positiven oder negativen Mindestleistung. Netzdienlichkeit liegt vor, wenn ein Beitrag zur Netzstabilisierung, wie z. B. Spannungshaltung oder Engpassmanagement, geleistet wird. In dieser Studie wird Netzdienlichkeit weiter gefasst und als Systemdienlichkeit verstanden (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik [BSI] & Bundesministerium für Wirtschaft und Energie [BMWi], 2021).

Netztopologie
Die Topologie eines Netzes beschreibt die Struktur der Verbindungen der einzelnen Netzbetriebsmittel. Es gibt verschiedene Topologien, die in Abhängigkeit vom Netzgebiet und Spannungsebene zum Einsatz kommen. Diese Topologien sind bspw. die Stern-, Ring- und Bustopologie.

Nicht-funktionale Anforderung
Nicht-funktionale Anforderung beschreibt welche Eigenschaften das System aus Sicht der Ausführung und Leistung erfüllen muss (Übersetzung aus dem Standard ISO/IEC 25010).

NIST-Konzeptmodell
Das so genannte NIST Konzeptmodell (NIST Conceptual Model) definiert verschiedene Unterdomänen wie Märkte, Vertrieb, Betrieb, Endkunde, Erzeuger, etc., in der elektrischen Stromversorgung sowie die typischen Strom- und Kommunikationsflüssen zwischen diesen Domänen.

Nodal-Pricing/Nodalsystem
Nodal-Pricing ist eine Methode zur Preisfindung auf Großhandelsstrommärkten. Die Besonderheit ist, dass in einem Nodalsystem räumlich hochauflösend differenzierte Preise dargestellt werden können – es kann ein individueller Strompreis für jeden Netzknoten gelten. Während in einem zonalen System der gleiche Strompreis überall innerhalb einer Gebotszone gilt. Ein Nodalsystem ermöglicht präventives Engpassmanagement, indem Netzrestriktionen im Strompreis netzknotenscharf reflektiert werden.

Open Data-Ansatz / Open Data-Veröffentlichungsansatz
Offene Daten – „Open Data“ – sind frei zugänglich und können auf Grund von offenen und diskriminierungsfreien Lizenzen frei wiederverwendet werden. Das Prinzip der offenen Daten – „Open Data“ – bekommt weltweit eine immer größere Bedeutung. Die Verfügbarkeit von Daten wird zu einem immer bedeutenderen Wirtschaftsfaktor und ist Teil einer modernen Infrastruktur (Bundesministerium des Innern und für Heimat [BMI], 2021).

Open Innovation
Im Gegensatz zu traditionellen Innovationsprozessen, die unter Ausschluss externer Akteure stattfinden, bezeichnet „Open Innovation“ eine Öffnung des Innovationsprozesses, mit dem Ziel das Innovationspotenzial durch das Miteinbeziehen zusätzlicher Akteure zu erweitern. Innovationsaktivitäten erfolgen mit Unterstützung von externen Akteuren wie Mitbewerbern, Kunden, Forschern, Zulieferern, Gesetzgebern und ähnlichen Partnern.

Partizipation
Partizipation wird schaufensterübergreifend als die aktive Teilhabe verschiedener Zielgruppen bzw. Nutzerinnen- und Nutzergruppen über eine gezielte Einbindung in die Aktivitäten der Schaufenster verstanden. Im Kontext des SINTEG-Programms wurde Partizipation entweder in Anlehnung an den partizipativen Forschungsansatz als probates Mittel zur Akzeptanzförderung oder als gesellschaftlicher Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels verstanden.

Peer-to-Peer-Markt
Der Peer-to-Peer-Markt beschreibt einen Marktplatz auf dem ein bilateraler, horizontaler Energiehandel zwischen zwei Gleichgestellten (sog. „Peers“) stattfindet. Auf lokaler Ebene stellen die Peers Konsumenten oder Prosumer dar, die auf einer elektronischen Plattform direkt miteinander handeln können. Ein solcher Marktplatz im Consumer-to-Consumer-Bereich ist im derzeitigen Energiesystem noch nicht üblich. In diesem Bericht wird unter dem Begriff ebenfalls der direkte Handel zwischen Unternehmen im Business-to-Business-Bereich mit eingeschlossen (in Anlehnung an Forschungsstelle für Energiewirtschaft [FfE] (2018) und BNetzA (2019)).

Personas
Personas sind Nutzermodelle, also die bildliche und einheitliche Beschreibung von fiktiven Personen, die eine spezifische Zielgruppe in ihren Merkmalen repräsentieren.

Politischer Beirat
Die Energiewende ist nicht nur eine technische, sondern auch eine politische Herausforde-rung. Politische und regulatorische Rahmenbedingungen müssen verändert werden, damit die Energiewende gelingen kann. Aus diesem Grund bildet ein Politischer Beirat eine Schnittstelle zwischen Forschung und Politik. Er trägt Projektergebnisse in die Parlamente und Regierungen und vermittelt die Erwartungen der Politik an die Projektpartner.

Pool
Pool bezeichnet im vorliegenden Kontext eine Gruppe von aggregierten Anlagen (siehe Aggregation).

P/Q-Arbeitspunkt
In der elektrischen Wechselstromtechnik werden die Wirkleistung P (in W) und Blindleistung Q (in VAr) unterschieden. Das Verhältnis von P und Q bestimmt den Leistungsfaktor einer Anlage (siehe auch cosphi-Regelung). Der Arbeitspunkt wird über die Anlagensteuerung gezielt eingestellt, d.h. in der Regel wird für einen bestimmten Wirkleistungswert ein optimaler Wert der Blindleistung gewählt. Als Optimierungskriterium können eine Minimierung der Anlagen- oder Netzverluste oder des Spannungsprofils im Netz dienen.  

Präqualifikation
Über das Präqualifikationsverfahren liefern die potenziellen Anbieter den Nachweis, dass sie die zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit erforderlichen Anforderungen an die Erbringung der unterschiedlichen Regelleistungsarten erfüllen. Die Präqualifikation stellt sicher, dass neben technischer Kompetenz auch eine ordnungsgemäße Erbringung der Regelleistung unter betrieblichen Bedingungen gewährleistet ist.

Produkt
Produkt beschreibt die auf einem Markt gehandelten Güter oder Dienstleistungen. Auf Energiemärkten (bspw. Energy Only Markt, Flexplattform) werden im Regelfall standardisierte Produkte gehandelt. Diese Produkte werden durch zahlreiche Parameter definiert. Wichtige Parameter für Produkte auf Flexplattformen sind bspw. der Erbringungszeitraum, die Energiemenge, die Höhe der (bereitgestellten) Leistung sowie der Zeitrahmen für Handel und die Abrechnungsmodalitäten. 

Prosument
Prosument ist die Verbindung der Rollen Energieerzeuger und Energienutzer. Biespielsweise werden Haushaltskunden mit eigenen Erzeugungsanlagen, wie PV-Anlagen, als Prosumenten bezeichnet.

Rapid Prototyping
Rapid Prototyping ist ursprünglich ein Überbegriff für verschiedene Verfahren zur schnellen Herstellung von Musterbauteilen ausgehend von den Konstruktionsdaten. Der Begriff wird aber auch zunehmend für Methoden der Softwareentwicklung verwendet, bei denen der Fokus darauf liegt, schnell zu ersten Ergebnissen zu kommen und frühzeitiges Feedback bezüglich der Eignung eines Lösungsansatzes zu bekommen. In beiden Fällen handelt es sich um agile Entwicklungsprozesse.

Reallabor
Der Begriff des Reallabors wird im Allgemeinen für die Beschreibung unterschiedlicher Konzepte verwendet, wie z.B. Living Labs oder Demonstrationszellen. In Deutschland wurde dieser Begriff stark durch das Wuppertal Institut geprägt. Dabei werden die aktive Miteinbeziehung der Zivilbevölkerung in den Prozess der Wissensproduktion sowie das Zusammenspiel zwischen Nutzer und Innovationen in einer realweltlichen Umgebung als die zwei wesentlichen Charakteristika identifiziert. Im Kontext von SINTEG bezeichnen Reallabore zusätzlich eine Art von Experimentierraum für die Umsetzung von technologischen und systemischen Innovationen für die Energiewende. Hierfür hat die Bundesregierung die SINTEG-Verordnung beschlossen. Durch die Verordnung erhielten die Schaufenster die Möglichkeit, neue Technologien, Verfahren und Geschäftsmodelle zu testen, die mit dem bestehenden Rechts- und Regulierungsrahmen nur bedingt vereinbar sind.

Redispatch 2.0, NABEG 2.0
Die 2019 beschlossene Novelle des Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG 2.0) enthält Änderungen zu den Regelungen des Redispatch-Prozesses (Redispatch 2.0). Diese Regelungen wurden bis zum 1. Oktober 2021 von allen Netzbetreibern sowie Marktteilnehmern, wie z.B. Anlagenbetreibern oder Direktvermarktern, umgesetzt. Vor der Revision des Redispatch nahmen nur konventionelle Erzeugungsanlagen mit mehr als 10 MW installierter Nennleistung an diesem Prozess zum Engpassmanagement teil. In den Redispatch 2.0-Prozess werden alle Erzeugungsanlagen ab 100 kW mit einbezogen. Dazu gehören auch Erneuerbare-Energien-Anlagen (EE-Anlagen), Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK-Anlagen) sowie Speicheranlagen.

Redispatch
Steht für eine Abänderung des vorgesehenen Kraftwerkseinsatzes von Erzeugungsanlagen und Speichern zur Vermeidung von Netzengpässen. Netzbetreiber nutzen Redispatch für die Sicherung der Netzstabilität. Der Prozess basiert auf der Lieferung von Stamm- und Bewegungsdaten, auf deren Grundlage eine Netzengpassbewertung sowie Ableitung und Abruf von Redispatch-Maßnahmen durchgeführt werden (BSI & BMWi, 2021).

Referenzarchitektur
Eine Referenzarchitektur definiert eine Makro-Musterlösung / -Blaupause für eine Architektur für eine bestimmte Domäne und bietet ein gemeinsames Vokabular, mit dem Implementierungen diskutiert werden können, oft mit dem Ziel, Gemeinsamkeiten zu konsolidieren. Eine Referenzarchitektur ist eine Architektur, bei der die Strukturen und die jeweiligen Elemente und Beziehungen Vorlagen für konkrete Architekturen in einer bestimmten Domäne oder in einer Familie von Systemen darstellen.
Eine Referenzarchitektur besteht oft aus einer Liste von Funktionen und einigen Angaben zu ihren Schnittstellen (oder APIs) und Interaktionen untereinander und mit Funktionen, die sich außerhalb des Bereichs der Referenzarchitektur befinden.

Regulatorik
Unter Regulatorik versteht man die Gesamtheit staatlicher Rechtsnormen, die das Marktgeschehen und das Verhalten der Marktakteure in einem bestimmten Bereich (z.B. Energiewirtschaft) beeinflussen.

Regulatorischer Experimentierraum
Ein regulatorischer Experimentierraum ist ein zeitlich, räumlich und inhaltlich abgegrenzter Rahmen, in dem durch eine Experimentierklausel Ausnahmen vom geltenden regulatorischen Rahmen ermöglicht werden, um Experimente durchzuführen. Hierbei steht jedoch nicht die Ausnahme bzw. der regulatorische Rahmen im Vordergrund, es wird also nicht die Regulierung untersucht, vielmehr eröffnet sie einen Raum, in dem ein technisch-wirtschaftliches Experiment durchgeführt werden kann (nach Bauknecht et al. (2021)).

Regulatorisches Lernen
Ein Prozess, bei dem durch die Anwendung einer regulatorischen Ausnahme ein Erkenntnisgewinn entsteht. Regulatorisches Lernen ergibt sich nicht aus der Wirkung der regulatorischen Ausnahme an sich, sondern aus der Implementierung, die hierdurch ermöglicht wurde.

REMIT-Verordnung
Die Verordnung (EU) Nr. 1227/2011 über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarkts (auf Englisch: Regulation on Wholesale Energy Market Integrity and Transparency; „REMIT“) dient der Bekämpfung von Insider-Handel und Marktmanipulation auf dem Energiegroßhandelsmarkt. Sie ist seit dem 28. Dezember 2011 in Kraft und entfaltet unmittelbare Rechtswirkung in allen EU-Mitgliedsländern (siehe BMWK (2022a)).

Residuallast
Diese beschreibt die verbleibende Systemlast abzüglich der Stromerzeugung aus fluktuierenden erneuerbaren Energien zu jeder Stunde eines Jahres. Daraus ergibt sich die Leistung, die durch regelbare Stromerzeugungseinheiten, Speicher oder flexible Verbraucher – also verschiedene Flexibilitätsoptionen – gedeckt werden muss. Hierbei kann es künftig sowohl zu Defiziten (=positive Residuallast), als auch gehäuft zu Überschüssen (=negative Residuallast) kommen, bei denen die Einspeisung aus erneuerbaren Energien die Last übersteigt.

Schutzziele
Schutzziele definieren im Umfeld der Informationssicherheit Informationswerte, die ein (Sicherheits-) Mindestniveau erreichen sollen. Als Grundwerte der Informationssicherheit gelten dabei die Schutzziele Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit.

Schwarzfall
In der elektrischen Energietechnik bezeichnet der Begriff Schwarzfall (auch Stromausfall oder auch Blackout) einen großflächigen weiträumigen Netzzusammenbruch, der mit einer Versorgungsunterbrechung der angeschlossenen Verbraucher verbunden ist. Eine Versorgungsunterbrechung kann hierbei kurzfristig sein oder auch mehrere Tage oder Wochen andauern (siehe auch Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung et al. (o.J.a)).

Schwarzstartfähigkeit
Die Schwarzstartfähigkeit ist eine Eigenschaft von Kraftwerken, die zur Erbringung der Systemdienstleitung „Netzwiederaufbau“ im Fehlerfall dient.

Search Based Application
Search-based Applications (SBA) sind Softwareanwendungen, die Suchmaschinen für Informationszugang und das Erstellen von Berichten nutzen. SBA bieten Zugang zu Daten aus verschiedenen Quellen und Systemen sowie unterschiedlicher Struktur (strukturiert, semi-strukturiert oder unstrukturiert). Diese werden durch SBA aufbereitet, aggregiert und benutzerfreundlich bereitgestellt. Suchanfragen können in SBA mittels natürlicher Sprache formuliert werden.

Security-by-Design
Security-by-Design bedeutet in der Softwareentwicklung, dass Softwareprodukte und -funktionen so konzipiert wurden, dass sie grundlegend sicher sind. Die „Security by Design“-Prinzipien sind in den gesamten Produktlebenszyklus zu integrieren – von der ersten Idee bis zum Erreichen des „End-of-Life“ eines Produktes. In der Umsetzungsverantwortung stehen alle am Produkt beteiligten Unternehmensbereiche, wie beispielsweise Produktmanagement, Entwicklung, Beschaffung, Fertigung, Vertrieb, Logistik, Service sowie die IT-Sicherheits- und Datenschutzverantwortlichen (Teletrust, 2020).

Sektorenkopplung/Sektorkopplung
Der Begriff Sektorenkopplung bezeichnet die Verbindung von Verbrauchssektoren, wie bspw. dem Verkehrs- und Stromsektor. Sektorenkopplung trägt zu den Zielen der Energiewende bei, wenn Strom aus erneuerbaren Energien energieeffizient eingesetzt wird und dadurch fossile Energieträger ersetzt werden. Neben Effizienzsteigerungen und der direkten Nutzung von erneuerbaren Energien ist Sektorenkopplung damit ein zusätzlicher Weg zur Dekarbonisierung. Beispiele sind im Verkehrsbereich die Elektromobilität oder im Wärmebereich Elektrodenkessel.

Sensitivität
Sensitivität beschreibt die Auswirkungen einer Engpassmanagementmaßnahme im Netz, bspw. die Abregelung einer EE-Anlage, auf einen bestimmten Engpass (Sensitivität = Power Transfer Distribution Factor). Die Sensitivität ist abhängig von der Netzstruktur, der Netzlokalität des Engpasses und der Netzlokalität der netzdienlichen Flexibilität. Beispielsweise bedeutet eine Sensitivität von 0,8, dass die Abregelung einer EE-Anlage um 10 MW einen Netzengpass um 8 MW reduziert.

Sensorik und Aktorik im Netzbetrieb
Sensorik im Stromnetz ermöglicht die Erfassung des Netzzustandes, bspw. durch Messgeräte, die Strom, Spannung oder Phasenwinkel erfassen. Aktorik im Stromnetz ermöglicht die (Fern-) Steuerung von Netzbetriebsmitteln, Erzeugern und Verbrauchern.

Skalierbarkeit
Skalierbarkeit einer (Detail-) Blaupause beschreibt ihre Fähigkeit zum Einsatz in einem größeren Umfang. Sie hat eine technische, eine ökonomische und eine regulatorische Dimension sowie eine Akzeptanzdimension. Die technische Skalierbarkeit der Lösungen ist vor allem von Digitalisierungsaspekten (IT-Infrastruktur, Modularität und Anpassungsfähigkeit der Lösung, nutzbare Interfaces) geprägt, aber auch von den generell vorherrschenden lokalen Bedingungen wie der Verfügbarkeit von EE oder der vorhandenen Infrastruktur (Strom-, Gas-, Kommunikationsnetz). Die ökonomische Skalierbarkeit wird geprägt durch das Geschäftsmodell und Skaleneffekte beim Technologieeinsatz. Regulatorik beeinflusst Skalierbarkeit durch Restriktionen und Auflagen.

Smart Grid Architektur Modell (SGAM)
Das Smart Grid Architecture Model (SGAM) umfasst ein Framework für die einheitliche Beschreibung von Systemarchitekturen für Smart Grids.

Smart Meter Gateway (SMGW)
Die zentrale Kommunikationseinheit in der Infrastruktur eines intelligenten Messsystems (BSI, 2021).

Smart Meter Rollout

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am 31.01.2020 die „technische Möglichkeit zum Einbau intelligenter Messsysteme nach § 30 Messstellenbetriebsgesetz (MsbG)“ festgestellt, auch Markterklärung genannt. Damit beginnt die gesetzliche Verpflichtung zum Rollout intelligenter Messsysteme zum 24.02.2020 durch die zuständigen Messstellenbetreiber (BSI, o.J.).

(Spannungs-) Längsregler
Mit dem Begriff „(Spannungs-) Längsregler“ werden Spannungsregler mit integriertem Laststufenschalter bezeichnet, die in einem Strang des Verteilnetzes eingesetzt werden und ihre Ausgangsspannung innerhalb einer bestimmten Bandbreite durch lokale Regelungskonzepte oder durch Fernsteuerung dynamisch regeln können (Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft [FfE], 2016).

Spannungsband
Das vorgeschriebene Spannungsband dient als obere und untere Grenze der Spannung, die von den Netzbetreibern in deren Netzen eingehalten werden muss. Für jede Spannungsebene ist eine Nennspannung vorgegeben. Das Spannungsband schreibt verbindliche Grenzwerte für die zulässigen Spannungsabweichungen auf einer Spannungsebene. In der Mittelspannungs- und Niederspannungsebene sind dies +/-10%.

Spotmarkt
Am Spotmarkt der Strombörse werden kurzfristige Stromlieferungen gehandelt. Die kleinste gehandelte Stromzeiteinheit liegt bei 15 Minuten.

Standardisierung
Standardisierung oder Normung ist der Prozess der Entwicklung und Implementierung technischer Standards auf der Grundlage eines Konsenses verschiedener Parteien, zu denen Unternehmen, Anwender, Interessengruppen, Normungsorganisationen und Regierungen gehören. Standardisierung kann dazu beitragen Kompatibilität, Interoperabilität, Sicherheit, Wiederholbarkeit oder Qualität zu maximieren. Sie kann auch die Kommerzialisierung von ehemals kundenspezifischen Prozessen erleichtern.

Standardlastprofil
Anstatt einer Messung des realen Lastverlaufs wird das zeitliche Verbrauchsverhalten (Standardlastprofil) bei Privatkunden und Gewerbekunden durch normierte kundengruppenbezogene oder branchenbezogene Verbrauchsmuster ersetzt. Diese Kunden werden daher auch als Standardlastprofilkunden (SLP-Kunden) bezeichnet. Die Verteilnetzbetreiber unterteilen die SLP-Kunden, die in ihrem Netzgebiet angeschlossen sind, in verschiedene Kundengruppen und legen fest, welche Zeitreihen als repräsentative Lastprofile für die jeweilige Kundengruppe herangezogen werden (nach Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung et al. (o.J.d)).

System / System of Systems und konstituierendes System
Individuelle Systeme und Systems of Systems entsprechen der Definition eines Systems, in dem alles aus Teilen, Beziehungen und einem Ganzen besteht, das größer ist als die Summe seiner Teile.
System of Systems (SoS): Eine Gruppe von Systemen oder Systemelementen, die zusammenwirken, um eine einzigartige Fähigkeit bereitzustellen, die keines der konstituierenden Systeme allein erreichen kann.
Hinweis: Systemelemente können notwendig sein, um die Interaktion der konstituierenden Systeme im System of Systems zu erleichtern.
Konstituierende Systeme: Konstituierende Systeme können Teil eines oder mehrerer System of Systems sein.
Hinweis: Jedes konstituierende System ist für sich genommen ein nützliches System mit eigenen Entwicklungs- und Verwaltungszielen sowie eigenen Ressourcen, interagiert aber innerhalb des System of Systems, um die einzigartigen Fähigkeiten des System of Systems zu realisieren (Übersetzung aus dem Standard ISO/IEC/IEEE 21839:2019).

Systemdienlichkeit
In dieser Studie wird der Begriff Systemdienlichkeit als Oberbegriff von Netzdienlichkeit im engeren Sinne und Marktdienlichkeit verstanden. In anderen Definitionen wird Systemdienlichkeit nicht als übergeordneter Begriff sondern synonym mit Marktdienlichkeit (Ausgleich der Systembilanz) verstanden (Schulze, Müller, Faller, Duschl & Wirtz, 2021).

Systemstabilität und Resilienz
Unter Systemstabilität ist der zuverlässige Betrieb des Stromnetzes bzw. eine zuverlässige Stromversorgung zu verstehen. Eine Stromversorgung ist stabil, wenn Strom unterbrechungsfrei geliefert wird, die Spannung in den zulässigen Grenzen bleibt und die Frequenz von 50 Hertz gehalten wird.
Resilienz des Stromsystems ist die Gewährleistung eines hohen Niveaus der Systemstabilität und damit auch Versorgungssicherheit. Resilienz umfasst Maßnahmen in mehreren Zeitbereichen, um die Auswirkungen von Zwischenfällen zu verringern: (1) Maßnahmen im Vorfeld von Zwischenfällen (feststellen und verhindern); (2) Maßnahmen während dieser Zwischenfälle (erkennen und reagieren); (3) sowie Maßnahmen nach Behebung von Zwischenfällen (wiederherstellen) (nach Entwurf zur Norm DIN VDE 0175-110). 

Tarifanwendungsfall (TAF)
Tarifanwendungsfälle beschreiben die Funktionalitäten, die ein Smart Meter Gateway realisieren können muss. Sie werden vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) festgelegt, um Standardprozesse im Rahmen der Verarbeitung von Messdaten zu gewährleisten, z. B. Zeitvariable Tarife oder Zählerstandsgangmessung.

Technology Readiness Level (TRL)
Das Technology Readiness Level (auf Deutsch: Technologiereifegrad) wird genutzt um die technische Reife einer Technologie während ihrer Entwicklung zu beschreiben. In diesem Bericht wird der wissenschaftliche-technische Entwicklungsstand einer Blaupause auf einer Stufe von eins bis neun eingeordnet. Die Definition der Stufen erfolgt in Anlehung an BMWi (2018).

Teilhabe
„Teilhabe“ wird von den SINTEG-Schaufenstern weitgehend analog zum Begriff Partizipation verwendet.

Übertragbarkeit
Übertragbarkeit einer (Detail-) Blaupause beschreibt ihre Fähigkeit zum Einsatz in einem anderen (geographischen) Kontext. Sie hat eine technische, eine ökonomische und eine regulatorische Dimension sowie eine Akzeptanzdimension. Die technische Übertragbarkeit der Lösungen ist vor allem von Digitalisierungsaspekten (Standardisierung, Interoperabilität) geprägt, aber auch von lokalen Bedingungen wie der Verfügbarkeit von EE oder der vorhandenen Infrastruktur (Strom-, Gas-, Kommunikationsnetz) geprägt. Die ökonomische Übertragbarkeit beschreibt das Geschäftsmodell zur Finanzierung der Lösung, welches zumeist beeinflusst wird von den Preisen auf Energiemärkten inkl. Nebenkosten, den Kosten der eingesetzten Technologien sowie der Regulatorik. Letzteres beeinflusst bspw. Strompreisbestandteile, Unbundlingvorschriften, Anreizstruktur für Netzbetreiber oder Datenschutzvorgaben. Die Akzeptanz ist insbesondere für Blaupausen relevant, die den Endnutzersektor betreffen.

Use Case (Anwendungsfall)
Spezifikation einer Menge von Aktionen, die von einem System ausgeführt werden und ein beobachtbares Ergebnis liefern, das typischerweise für einen oder mehrere Akteure oder andere Stakeholder des Systems von Wert ist. (Quelle: Übersetzt aus SG-CG/M490/E:2012-12)

  • Business Use Cases: beschreiben, wie Business-Rollen interagieren, um einen Geschäftsprozess auszuführen. Diese Prozesse werden von Services, d. h. Geschäftsvorfällen, abgeleitet, die zuvor identifiziert wurden.
  • System Use Cases: beschreiben, wie System- und/oder Business-Rollen eines bestimmten Systems interagieren, um eine Smart Grid-Funktion auszuführen, die erforderlich ist, um die in Business Use Cases beschriebenen Geschäftsprozesse zu ermöglichen / zu erleichtern. Ihr Zweck ist es, die Ausführung dieser Prozesse aus der Sicht des Informationssystems zu beschreiben (Übersetzung aus Standard IEC 62913-1).

Volatile Stromerzeugung
Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien (insbesondere Sonne und Wind) ist abhängig von der jeweiligen Witterung, Jahres- und Tageszeit und dementsprechend Schwankungen unterworfen.