Interview

Frau Nicolaas Ponder, bitte beschreiben Sie das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Nicolaas Ponder: Mein Team für Nachhaltigkeit und Innovation am Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) führt eine Vielzahl von Aktivitäten durch, um sicherzustellen, dass die WindNODE-Lösungen für ein breites Publikum sichtbar, greifbar und ansprechend aufbereitet sind. Diese Aktivitäten reichen von internationalen Veranstaltungen bis hin zu Medien- und Videobeiträgen.

Wir untersuchen zudem, welche Lösungen eine sozial gerechte und faire Energiewende in traditionellen Energieregionen, wie beispielsweise der Lausitz, fördern können. Die Lausitz ist nicht die einzige Region, die vor dieser Transformationsherausforderung steht. Daher setzen wir auf einen international vergleichenden Ansatz und untersuchen, wie sich andere Regionen weltweit den Anforderungen neuer Klima- und Energierealitäten stellen und gleichzeitig Arbeitsplätze und Lebensqualität in der Region halten. Die ausgewählten Regionen erstrecken sich vom japanischen Hokkaido bis nach Colorado in den USA.

Welchen wichtigen Beitrag leistet Ihr Projekt für die Energiewende? 

Bei WindNODE leisten wir auf folgende Weise zwei wichtige Beiträge: Erstens bereiten wir komplexe Forschungsergebnisse sowie regulatorische oder technische Prozesse, die Energietransformation treiben, visuell ansprechend und greifbar auf und machen diese Geschichten der Energiewende durch Workshops und Designs einem breiten Publikum zugänglich.

Zweitens stellen wir durch unsere Arbeit an Lösungen für eine sozial gerechte und faire Transformation in Kohleregionen politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, Industrievertreterinnen und -vertretern und der Zivilgesellschaft eine Blaupause für Transformationen bereit, die die vielen Chancen der Energiewende für diese Regionen sowie praktische Ansätze zur Erschließung der Potenziale aufzeigt.

Gibt es bereits erste wichtige Meilensteine oder Erfolge, die Sie erreicht haben?

Unsere Studie zu Blaupausen für Kohleregionen macht derzeit große Fortschritte. Unsere vergleichende Forschung hat verschiedene Regionen in Frankreich, Griechenland und den USA identifiziert, aus denen Lerneffekte und neue Ideen abgeleitet und auf unseren eigenen, regionalen Kontext in Deutschland angewendet werden können. Wir haben die ersten vorläufigen Ergebnisse zu regionalen Transformationsprozessen und -instrumenten in kompakten und anschaulichen Regionalprofilen verdichtet, die demnächst auf der Website von WindNODE zur Verfügung gestellt werden.

Aufbauend auf den Regionalprofilen und tiefergehenden Fallstudien werden wir einen eigenen maßgeschneiderten und anwendungsorientierten Instrumentenkasten für Transformationsprozesse („Transition Toolbox“) entwickeln.

Wie erklären Sie auf einer Party, was Sie beruflich machen?

Ich sage, ich arbeite an der Energiewende und daran, dass wir dabei alle mit ins Boot holen und uns gemeinsam engagieren. Ich mache dann vielleicht noch einen Witz darüber, dass niemand die langen PDF-Berichte lesen will, die wir Think-Tanks und Expertinnen und Experten oft produzieren und dass es höchste Zeit ist, unsere Kommunikationsinstrumente zu diversifizieren, wenn wir es ernst meinen mit der Einbeziehung der Menschen in das, was auf dem Spiel steht. Das WindNODE-Projekt leistet dabei mit einer Vielzahl kreativer Publikationen und sogar Kunstinstallationen wunderbare Arbeit, die die Grundidee unterstützt, nämlich, dass die Energiewende alle miteinbeziehen muss.

Was wollen Sie am Ende unbedingt erreicht haben?

Wir wollen mit Menschen auf der ganzen Welt in Verbindung getreten sein, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse und Lösungen des WindNODE-Projekts wahrgenommen und zur Förderung der globalen Energiewende eingesetzt werden.

Im Hinblick auf kohleintensive Regionen wollen wir, dass unser Transformationsteam und Instrumentenkasten vielfältig für die Förderung und Gestaltung eines inklusiven, nachhaltigen Wandels zum Einsatz kommen.Auf der von WindNODE und dem IKEM ausgerichteten Lausitz-Konferenz im September 2019 bekamen wir für unser Vorhaben großen Rückenwind.

Zwar liegt noch ein langer Weg vor uns, bis eine sozial gerechte Energiewende dort gestaltet und umgesetzt wird, umso mehr wollen wir unseren Teil dazu beitragen, diesen Wandel mit und für die Menschen in der Region voranzutreiben.

Warum lohnt sich aus Ihrer Sicht das Engagement für die Energiewende?

Die Energiewende als Antwort auf die Klimakrise ist die größte Herausforderung dieser Generation. Was ich an dieser Herausforderung schön finde ist, dass in dieser so viel Potenzial für Selbstbestimmung, Verantwortungsübernahme und Vernetzung steckt.

Dezentrale erneuerbare Energien bieten neue Möglichkeiten, sich zu engagieren und teilzuhaben, die es im zentralisierten Energiesystem mit großen Versorgungsunternehmen nicht gab. Erneuerbare Energien sorgen nicht nur für ein sichereres, besseres Klima und gesündere Umwelt, sondern sie bieten den Menschen auch die Chance, sich finanziell und gesellschaftlich zu beteiligen und an der Energiewende zu profitieren: So können sie selbst Anteile an einem Windprojekt erwerben oder gemeinsam mit ihren Nachbarn in ein Solarpanel investieren. Diese Geschichten von den Chancen und dem Engagement werden früher oder später deutlich lauter zu hören sein als die Stimmen der Pessimisten und Klimaskeptiker. 

Wir sehen bereits jetzt, wie sich das zivilgesellschaftliche Engagement auf den Klimadiskurs auswirken kann: Durch den Einsatz einer einzigen schwedischen Schülerin wurde eine globale Bewegung ins Leben gerufen. Das beweist, dass beim Engagement für die Energiewende jede Stimme zählt.