Interview

Frau Prof. Weidlich, bitte beschreiben Sie das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Prof. Weidlich: Wir untersuchen, wie Liegenschaften Strom flexibel verbrauchen können. Dabei ermitteln wir in Zahlen und auch grafisch, wie viel Energie zu jedem Zeitpunkt und zu welchen Kosten zusätzlich verbraucht oder eingespart werden kann. Darüber hinaus beurteilen wir mit anderen Projektpartnern den Unterschied zwischen dem aktuellen und dem zellulären Energiesystem, das wir bei C/sells als alternatives Konzept erforschen.

Welchen wichtigen Beitrag leistet Ihr Projekt für die Energiewende?

Indem wir das sogenannte Flexibilitätspotenzial bestimmen, schaffen wir die Grundlage dafür, dass flexible Verbraucher und Erzeuger an Energie-Märkten und -Plattformen teilnehmen können, um ihre Flexibilität anzubieten, also mit Stromverbrauch zu handeln. So kann ein Mehrwert für das Energiesystem geschaffen werden und viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer können mitmachen und zusätzliche Einnahmen erzielen.

Gibt es bereits erste wichtige Meilensteine oder Erfolge, die Sie erreicht haben?

Ein Konzept dafür, wie der flexible Stromverbrauch von Liegenschaften sichtbar gemacht werden kann, ist im Rahmen einer Masterarbeit erarbeitet und mit einem Studienpreis geehrt worden.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

In meinem Job bin ich gezwungen, mir immer wieder neues Wissen anzueignen. Es macht Spaß, ständig dazuzulernen.

Gibt es ein Ereignis in Ihrem Leben, das Ihren beruflichen Weg oder Ihr Engagement für den Klimaschutz stark beeinflusst hat?

Als ich in einer Jugendzeitung das erste Mal von Umweltproblemen las, konnte ich nicht fassen, dass die Menschheit solche Probleme hervorbringt und nicht löst. Dadurch entwickelte ich die Motivation, an den Lösungen mitzuarbeiten.

Wie sieht ihr Alltag aus: Was machen Sie als Erstes, wenn Sie ins Büro kommen? Was als Letztes?

Mein Alltag findet an vielen Orten statt: pendelnd im Zug, im Büro, im Hörsaal, im Homeoffice, auf dem Spielplatz, auf Reisen. Ich versuche also immer, die Aufgaben und die Fragen zum Nachdenken den passenden Orten zuzuordnen. Gedanken über die Energiewende kommen mir aber an jedem Ort auf, meist ungeplant.

Was wollen Sie am Ende unbedingt erreicht haben?

Ein ganzheitlicheres Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen von zellulären Energiesystemen schaffen.

Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, damit die Energiewende zum Erfolg wird?

Entscheidend ist, wohin das Geld fließt und was damit geschaffen wird. Dazu ist es wichtig, fossile Energienutzung so zu bepreisen, dass die wahren Kosten abgebildet werden. Das geht zum Beispiel über einen hohen CO2-Preis. Dieser hat eine starke Wirkung, um Investitionen in die richtigen Technologien zu lenken.

Warum lohnt sich das Engagement für die Energiewende?

Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt? Wir müssen das Klimaproblem lösen; darum kommen wir nicht herum. Die Energiewende ist derzeit unsere aussichtsreichste Lösung hierfür.