Interview

Herr Miller, bitte beschreiben Sie das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Miller: Ich engagiere mich im Bereich „Partizipationsarbeit“ im SINTEG-Schaufenster C/sells. Wir wollen die vielfältigen technischen Lösungen, die in C/sells erarbeitet wurden, Bürgerinnen und Bürgern verständlich machen. Zusammen mit unseren Projektpartnern erarbeiten wir niederschwellige Prozesse und Partizipationsmöglichkeiten sowie begleiten alle Prozessbeteiligten auf diesem Weg.

Für den Erfolg der Energiewende ist neben technischen Aspekten auch eine frühzeitige und zielgruppenspezifische Kommunikation wichtig. Was die Digitalisierung der Energiewende bedeutet, ist vor allem Privatpersonen weitgehend unbekannt. Wir erheben zum einen die Informationsstände zu einzelnen Aspekten der Digitalisierung der Energiewende und intelligenter Netze. Zum anderen bieten wir weiterführende Informations- und Austauschplattformen (zum Beispiel „Ich bin Zukunft“), worin auch Teilhabemöglichkeiten an lokaler Energiewende aufgezeigt werden.

Gibt es bereits wichtige Meilensteine oder Erfolge, die Sie erreicht haben?

Unsere Meilensteine sind die in allen C/sells-Citys durchgeführten Fokusgruppen und Stakeholder-Dialoge. Zudem haben wir mit dem Team insgesamt über 800 qualitative Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern durchgeführt. Die daraus resultierenden Erkenntnisse und offenen Fragen wurden in die Ausgestaltung der repräsentativen Studie aufgenommen. Darüber hinaus entstand eine tolle Netzwerkarbeit mit lokalen Klimaschutz- und Energieagenturen in unseren C/sells-Citys.

Wie erklären Sie auf einer Party, was Sie beruflich machen?

Bürgerinnen und Bürgern die Energiethemen von morgen heute verständlich machen. Hinzu kommt die Kommunikation auf politischer Ebene und das Zusammenbringen von Akteuren in Dialogprozessen. Innerhalb der C/sells-Community gehört dazu Initiierung, Beratung und Unterstützung unserer aus dem technischen Bereich stammenden Kolleginnen und Kollegen, damit diese partizipativen Prozesse in ihren Projekten gestalten können, an denen sich die Menschen vor Ort beteiligen können.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Die Herausforderung an der Schnittstelle zwischen Ingenieuren und Privatpersonen zu sein, die nicht vom Fach sind. Die Themen müssen für die jeweiligen Akteure „übersetzt“ werden, damit daraus etwas gestaltet werden kann.
Spannend finde ich auch die Vielfältigkeit der Aufgaben, von Kommunikation auf politischer Ebene, Zusammenbringen von Akteuren bis hin zum Aufbau unserer Veranstaltungen samt Requisiten. Es macht mir Spaß, wenn ich das Erreichte und die gemeisterten Herausforderungen sehe. Und ich arbeite im Umfeld mit Menschen, die nachhaltig etwas bewegen wollen und Pioniergeist sowie Mut haben – das steckt an. Das Thema der „Energiewende“ geht uns alle an, ob wir es wollen oder nicht. Es ist schön, einen Beitrag dazu zu leisten. Auch wenn ich das große Ziel im Alltag manchmal kurz vergesse.

Wer inspiriert Sie? Und warum?

Ich habe keine konkreten Vorbilder. Zur Inspiration dienen mir die Menschen, mit denen ich arbeite: Mut, Pioniergeist, penible und zielorientierte Umsetzung sowie Berücksichtigung aller relevanten Interessen verbunden mit dem Wunsch, gemeinsam etwas Großes zu gestalten. Eine gehörige Portion Humor an der richtigen Stelle muss unbedingt dabei sein.

Was ist das Wichtigste, damit die Energiewende zum Erfolg wird?

Eine Zusammenarbeit der Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Dass noch mehr auf Wissenschaftler gehört wird. Unbedingt notwendig ist auch, dass die Politik die entsprechenden Weichen stellt und Rahmenbedingungen schafft. Das ist ein ganzheitlicher Systemwandel und hier müssen alle mitziehen.

Was wollen Sie am Ende unbedingt erreicht haben?

Ein schönes Ziel ist, wenn unsere Arbeit und Vernetzung zwischen den Akteuren zu nachhaltig arbeitenden Strukturen führt – auch nach Auslaufen des SINTEG-Programms.