Interview

Herr Glanert, bitte beschreiben Sie das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Glanert: Die intelligente Vernetzung des Energiesystems, die Verteilung und Speicherung regenerativer Energie und der damit verbundene Umbau des Energiesystems findet auf vielen verschiedenen technischen Ebenen und zum Beispiel auch am Energiemarkt statt. Der kleinste Baustein dieses Systems, der Endpunkt eines dezentralen Erzeugungssystems ist der einzelne Haushalt und das einzelne Unternehmen. Konsequent zu Ende gedacht, kommt es also schließlich und endlich auf jeden Einzelnen an. Wir versuchen nicht weniger, als die Zukunft der Energiewirtschaft ein Stück weit vorweg zu nehmen, die Menschen mitzunehmen, obwohl das Thema noch nicht so richtig greifbar scheint und vor allen Dingen keine nennenswerten Vorteile auf der individuellen Ebene bietet.

Welchen wichtigen Beitrag leistet Ihr Projekt für die Energiewende?

Die Themen Partizipation, Beteiligung und Akzeptanz sind der Schlüssel für einen Veränderungsprozess, der in der Breite und nachhaltig stattfinden muss. Bei enera demonstrieren wir eine Reihe technischer Lösungen – vor allen Dingen im Zusammenspiel mit Unternehmen und den Menschen in der Modellregion. Das ist kein theoretisches Forschungsvorhaben, sondern als Praxistest ein echter Mehrwert für die Energiewende.

Was ist das Besondere an Ihrem Projekt und wie ist die Idee dazu entstanden?

Wir unternehmen ehrlich und nachvollziehbar den Versuch, Betroffene zu Beteiligten zu machen. Wir glauben daran, dass die Energiewende am Ende von jedem Einzelnen abhängig ist und das in der Summe der Haushalte und Gewerbebetriebe – die ja letztlich häufig auch durch Einzelunternehmer geführt werden – der Schlüssel für ein intelligentes, vernetztes Energienetzwerk liegt. Diese Idee der technischen Vernetzung und der unbedingte Wille, dies gemeinsam mit den Menschen im Konsortium, dem Partnernetzwerk inklusive Kommunen und letztlich mit der Bevölkerung in der Modellregion zu demonstrieren, stellt etwas Besonderes dar.

Wie erklären Sie auf einer Party, was Sie beruflich machen?

Meist erkläre ich meine Arbeit damit, wie ich in das Projekt gekommen bin: Als enera aus der Taufe gehoben wurde, war schnell klar, dass man Bevölkerung und Unternehmen auf ganz andere Art und Weise einbinden wollte, um das Projekt insgesamt zum Erfolg zu führen. Dieser Ansatz erfordert neue Methoden, die Suche nach intrinsischer Motivation bei den Beteiligten und eine große Begeisterungsfähigkeit für ansonsten eher weniger spannende Themen. Ich bin neugierig und kann mich gut für diese Form der „Bürgerbeteiligung“ begeistern. Das ist mein Job.

Ihr beruflicher Weg: Warum tun Sie heute, was Sie tun?

Ich bin seit rund 20 Jahren in sehr verschiedenen Positionen in der Energiewirtschaft tätig – von der Projektsteuerung bis hin zu Tätigkeiten im Rahmen von Public-Private-Partnerships und Cluster-Management. Ich bin durch und durch Praktiker: Als gelernter Zimmermann und Wasserbau-Ingenieur gehe ich immer gerne und am liebsten in die konkrete Umsetzung. Aber als Küstenbewohner nahe zum Jadebusen, wo sich die Küstenlinie in der Vergangenheit immer wieder durch Sturmfluten verändert hat, kenne ich auch die Grenzen der technischen Machbarkeit.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Ich bin ein neugieriger Mensch, der gerne ungewöhnliche Wege geht und aus echtem Interesse heraus versucht, Menschen zu verstehen, einzubinden und nach dem Schlüssel für Veränderungen und Veränderungsbereitschaft zu suchen. Das kann ich bei enera in beispielloser Form umsetzen.

Dusche, Jogging-Runde oder Schreibtisch: Wo und wann kommen Ihnen die besten Ideen?

Die besten Ideen kommen mir, wenn ich in Bewegung bin. Modernes Arbeiten im sogenannten Open Space bringt schon viel Bewegung und Bewegungsfreiheit mit sich. Ein weiterer Aspekt ist die Interaktion mit anderen – auch das gibt ein offenes Raumkonzept her. Noch lieber gehe ich aber raus, spreche mit Menschen, erfahre und lerne neue Dinge und versuche diese wiederum unmittelbar in das Projekt einzubringen.

Was ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste, damit die Energiewende zum Erfolg wird?

Neben den technischen Herausforderungen, die mit dem Aus- und Umbau des Energiesystems einhergehen, halte ich die Einbindung der Menschen für den zentralen Schlüssel zum Erfolg der Energiewende. Wir stehen meines Erachtens an der Schwelle wichtiger Veränderungen und sollten dringend eine Antwort auf die Fragen finden: Wie findet diese Veränderung statt? Wie nehmen wir Menschen auf dem Weg dahin mit?

Was macht SINTEG für Sie aus?

Für mich persönlich und auch darüber hinaus, bietet SINTEG die einmalige Gelegenheit, Partizipation, Akzeptanz und Bürgerbeteiligung ganz neu zu denken, zu demonstrieren und daraus zu lernen.