Interview

Frau Reinwardt, bitte beschreiben Sie das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Reinwardt: Ich arbeite in dem Teilprojekt FATWAKE (Fatigue reduction in wake effected wind farms) von NEW 4.0. Unser Forscherteam arbeitet daran, Betriebsbedingungen, Erträge und Lasten von Windenergieanlagen exakter berechnen zu können.

Welchen Beitrag leistet Ihr Teilprojekt für die Energiewende?

Ein wichtiger Punkt der Energiewende ist, dass Strom aus konventionellen Kraftwerken in Zukunft durch Strom aus erneuerbaren Energien ersetzt wird. Unser Teilprojekt adressiert diese Herausforderung und erforscht, wie positive Regelleistung bzw. Momentanreserve durch Windenergie-Anlagen mittels eines sogenannten „Power boost“, bei dem Energie aus der Trägheit des Rotors genutzt wird, bereitgestellt werden kann. Dafür untersuchen wir die Windbedingungen im Windpark ganz genau und erstellen anschließend präzise Modelle.

Was ist das Besondere an Ihrem Projekt und wie ist die Idee dazu entstanden?

Es hat sich herausgestellt, dass bisherige Modelle zu konservative Ergebnisse für kleine Anlagenabstände liefern, was dazu führt, dass Anlagen im Windpark weniger dicht platziert werden können oder ein sogenanntes Sektormanagement (Leistungsreduktion in bestimmten Situationen) angewandt werden muss. Dies führt in beiden Fällen zu einem geringeren Ertrag pro Fläche, was gerade in dicht besiedelten Ländern wie Deutschland entscheidend für eine wirtschaftliche Nutzung von Windparks ist.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus: Was machen Sie als erstes, wenn Sie ins Büro kommen? Was als letztes?

Mein Arbeitsalltag beginnt damit, dass ich kontrolliere, ob unsere Messgeräte im Windpark, wie die LiDAR-Systeme, einwandfrei laufen. Ich verbinde mich vom Büro aus mit den Geräten und überprüfe, ob die Datenerfassung funktioniert und die Geräte die Messdaten korrekt aufzeichnen. Einen großen Bestandteil meines Alltags nimmt die Programmierung von Auswerte-Algorithmen unserer sehr großen Datenmenge ein. Des Weiteren implementierte ich verschiedene Nachlaufmodelle und entwickle diese weiter. Den Tag schließe ich häufig nochmal mit einem Blick auf die Messgeräte ab, da ein Ausfall der Geräte zu großen Datenlücken führt und damit unser Auswertezeitraum drastisch verringert wird. Neben dem fachlichen Teil fallen in meinen Aufgabenbereich auch projektadministrative Aufgaben und das Schreiben von Projektberichten sowie Veröffentlichungen.

An welchen Stellen in Ihrem beruflichen Alltag stehen oder standen Sie häufig vor Herausforderungen – und welche Lösungen haben Sie gefunden?

Die wohl größte Herausforderung war es, die Messtechnik zu installieren und die Infrastruktur im Windpark aufzubauen sowie einen 120 Meter hohen Messmasten zu bauen. Umso mehr freuen wir uns, erste Ergebnisse veröffentlichen zu können und das Gefühl zu haben, dass der Aufwand sich wirklich gelohnt hat und ein Forschungswindpark entstanden ist, der auch für nachfolgende Projekte und Untersuchungen von großem Nutzen sein kann.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Ich bin davon überzeugt, dass Windenergie ein wesentlicher Bestandteil erneuerbarer Energien ist und möchte gerne mit meiner Forschung einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. Meiner Meinung nach liegt es in unserer Verantwortung, auch für nachfolgende Generationen auf nachhaltigere Varianten der Energiegewinnung umzustellen.

Welche Frage zu Ihrem Job wird Ihnen am häufigsten gestellt – und wie lautet Ihre Antwort?

Mir wird oft die Frage gestellt, was meine Forschung bewirkt und inwieweit diese zum Gelingen der Energiewende beiträgt. Ich kann diese Frage nicht mit Zahlen beantworten und mir ist bewusst, dass unsere Ergebnisse im Forschungsprojekt nur einen kleinen Anteil am Gelingen der gesamten Energiewende ausmachen werden. Ich glaube aber, dass es dafür auf viele kleine Forschungsbeiträge und Erkenntnisse ankommt.