Interview

Herr Walter, bitte beschreiben Sie das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Walter: Mein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und ich, wir kennen aus verschiedenen Projekten die Fragen von Energiekunden. Industrieunternehmen oder Versorger, die Energie erzeugen, sind inzwischen immer daran interessiert, an der Stromwende teilzunehmen. Wenn die Anlagentechnik zusätzlich zur Wertschöpfung beiträgt, weil sie an den Strommärkten Geld einbringt, ist das willkommen. Wir nennen das Erlösoptimierung für Energie-Anlagen.

Wir stellen uns der Aufgabe Einnahmen und Anwendungsfälle für neue, noch nicht erschlossene Bereiche zu finden. So helfen wir Firmen und öffentlichen Einrichtungen am Strommarkt teilzuhaben: Wenn zum Beispiel viele kleine Anlagen zusammengeschaltet werden, können alle gemeinsam an den Märkten aktiv werden, Geld einnehmen und so einen Teil ihrer Kosten decken. Die Anlagen, die verstreut in unserer ländlichen Region stehen, organisieren wir wie ein Kraftwerk und schaffen damit ein neues, sogenanntes virtuelles Kraftwerk.

Gibt es bereits erste wichtige Erfolge, die Sie erreicht haben?

Das bei uns entwickelte virtuelle Kraftwerk ist ein Programm, eine Software, die in Deutschland bei Stromhändlern verbreitet im Einsatz ist. Wir an der Transferstelle Bingen arbeiten daran, diese Software auf immer neue Art anzuwenden. Auf diese Weise können sie mehr und auch kleinere Nutzer anwenden, Erlöse an Energiemärkten erzielen oder regionales Wertschöpfungspotenzial heben. Das funktioniert, indem wir in unserer Region den Strom nutzen, den wir vor Ort erzeugen: Zum Beispiel Strom, den ein Windrad in der Nachbarschaft erzeugt oder Strom, den ein Landwirt mithilfe einer Biogasanlage auf seinem Hof produziert.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Die Zusammenarbeit in solch einem großen Projekt mit mehr als 40 Partnern über alle Ebenen der Energiewirtschaft hinweg und in einer großen Region wie Rheinland-Pfalz, Saarland und Nordrhein-Westfalen begeistert mich. In Designetz haben wir untereinander einen tollen offenen Austausch. Das spiegelt sich in den Ergebnissen wider.

Wie erklären Sie auf einer Party, was Sie beruflich machen?

Ich bin Ingenieur und arbeite in der Energieforschung. Ich helfe mit, dass der Klimaschutz gelingt. Das wird noch leicht verstanden. Meistens entsteht dann seit dem vergangenen Jahr die Frage, warum es im Klimaschutz nicht vorangeht, warum so wenig dafür getan wird. Ich antworte gerne darauf, dass das nicht stimmt. Viele Menschen verschließen ihre Augen davor oder nehmen gar nicht wahr, was vor Ort entsteht oder diskutiert wird. Das persönliche Engagement ist unabdingbar.

Mir hilft die zunehmende öffentliche Diskussion über das Thema, das von der Fridays-for-Future-Bewegung angestoßen wurde, sehr. Denn mit dem konkreten Ziel Klimaschutz im Kopf ist es leichter, eine Entscheidung zu treffen: Welche neue Heizung, welches Auto kaufe ich mir, wenn ich einen Beitrag leisten will? Als Fachmann kann ich leicht Argumente liefern, was hilfreich ist und was nicht. Der Alltag besteht dann trotzdem aus kleinen Schritten und Kompromissen. Dabei sollten wir nicht ideologisch oder verbissen agieren, sondern zugewandt und anpackend. Dann wird das gelingen.

Was wollen Sie am Ende unbedingt erreicht haben?

In Designetz tragen wir unsere Ideen zusammen und prüfen, wie sie in einer Energiewelt im Jahr 2035 funktionieren, wenn mehr als 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommt. Wir wollen am Projektende unbedingt zeigen, welche Technologien wie arbeiten sollten und welche Märkte beobachtet werden müssen, um ihren Beitrag im künftigen Energiesystem zu leisten.

Was wollen Sie beruflich mit Unterstützung der SINTEG-Förderung erreichen?

Die Designetz-Projekte sind aus meiner Sicht entstanden, weil wir unsere Energielösungen in ein Schaufenster stellen wollten und zeigen: Schaut her, so kann es gehen! Wir können es hier zeigen! Macht es nach!