Interview

Frau Clausen, bitte beschreiben Sie in das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Clausen: Ich gehöre im Projekt enera zur Koordination des Arbeitspakets 12. Das Arbeitspaket hat einen sehr übergreifenden Charakter und behandelt die Anwendungsfälle des Projekts, die Informationssicherheit, Kennzahlen und Standardisierung.

Welchen wichtigen Beitrag leistet Ihr Projekt für die Energiewende?

Das Thema Sicherheit ist natürlich gerade in der Energiebranche sehr relevant, da das Energierversorgungssystem auf der einen Seite eine kritische Infrastruktur ist und hochverfügbar sein soll. Auf der anderen Seite werden gerade im Bereich Smart Metering und der Einbindung von Kundendaten sehr hohe Anforderungen an die Vertraulichkeit der Daten gestellt.

Die anderen Themen ergänzen das Arbeitspaket zu einer ganzheitlichen Betrachtung: Die Anwendungsfälle beschreiben als Grundlage die neuen Technologien, die im Projekt erprobt werden. Mit Kennzahlen können Bewertungskriterien für die in den Anwendungsfällen beschriebenen Technologien abgeleitet werden und bei der Standardisierung identifizieren wir bewährte Methoden und Verfahren, die wir national und international etablieren wollen.

Gibt es bereits erste wichtige Meilensteine oder Erfolge, die Sie erreicht haben?

Zwei bisher wichtige Meilensteine waren zum einen die zentrale Verfügbarkeit aller Anwendungsfälle aus enera für die darauf aufbauenden Analysen  – diesen Meilenstein hatten wir schon sehr früh im ersten Projektjahr erreicht. Zum anderen war der Abschluss der exemplarischen Analysen für ein Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) ein zentraler Meilenstein. Die Analysen wurden dabei sorgfältig dokumentiert und sollen zum Teil öffentlich verfügbar gemacht werden. Wenn Sie sich also beispielsweise mit dem Thema "Messen und Steuern via Smart Meter Gateway" beschäftigen möchten, dann haben wir dazu die Maßnahmen zur Absicherung, die zugehörigen Bedrohungen und die dabei getroffenen Annahmen ausführlich beschrieben.

Welche Frage zu Ihrem Job wird Ihnen am häufigsten gestellt – und wie lautet Ihre Antwort?

„ Ist das nicht extrem trocken?“ Ich antworte dann immer, dass das für mich schon angewandt ist, da ich im Studium auch viel theoretische Mathematik gemacht habe. Und es ist viel Fleißarbeit, die meist im Hintergrund passiert, aber extrem wichtig ist.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Mich begeistert vor allem, dass ich einen sehr guten und umfassenden Einblick in die aktuellen Herausforderungen der Energiewende habe. Dies kommt vor allem durch die Anwendungsfälle, die ja genau die aktuellen Herausforderungen adressieren. Und ich gehöre zu denen, die diese Anwendungsfälle erfasst und weiterverwertet haben. Diesen Einblick finde ich unheimlich spannend.

Wie sieht ihr Alltag aus: Was machen Sie als Erstes, wenn Sie ins Büro kommen? Was als Letztes?

Das ist vielleicht ein wenig Klischee – morgens mache ich mir als erstes einen Kaffee und beim Trinken gucke ich dann in Ruhe meine E-Mails und die am Tag anstehenden Aufgaben an. Danach folgt dann neben Besprechungen die inhaltliche Arbeit, bei der ich auch mal mehrere Stunden am Stück (und über Tage hinweg) an einem Dokument arbeite, wie früher an der Uni bei der Diplomarbeit. Zum Feierabend rede ich meist nochmal kurz mit den KollegInnen über den aktuellen Stand oder beantworte kurze E-Mails, die am Tag aufgelaufen sind.

Was wollen Sie am Ende unbedingt erreicht haben?

Damit die Ergebnisse nach Projektende Dritten zugänglich gemacht und von Interessierten genutzt werden können, erstellen wir einerseits unter anderem Erfahrungsberichte, die wir dann in der Fachöffentlichkeit weitergeben möchten. Zum anderen geht es um ganz konkrete Themen, beispielsweise "Wie kann man eine große Zahl an Mitarbeitern einer Organisation für das Thema IT-Sicherheit sensibilisieren?" – hierfür wollen wir noch ein kleines Computerspiel entwickeln, bei dem der Mitarbeiter die Rolle eines Angreifers einnimmt und versucht in ein System einzudringen. Dafür müssen dann typische Sicherheitslücken, wie zum Beispiel das Passwort, das unter der Tastatur klebt, gefunden und ausgenutzt werden.

Was ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste, damit die Energiewende zum Erfolg wird?

Immer wieder über den Tellerrand gucken. Es gibt viele andere Länder, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen und schon die ein oder andere gute Lösung haben. Und auch in anderen Domänen (zum Beispiel Gesundheit, autonomes Fahren) kann es für Spezialthemen ähnliche Herausforderungen und übertragbare Lösungen geben.

Was macht SINTEG für Sie aus? Und wie hat SINTEG Ihnen auf Ihrem Weg geholfen?

Bei SINTEG findet man viele Leute, die neue Wege gehen wollen und Neues ausprobieren. Und das nicht nur auf der technischen Ebene, sondern auch methodisch. So findet man bei SINTEG-Kollegen viele Ansätze zu neuen Methoden beispielsweise in der Kundenansprache, aber auch zu modernen Arbeitsumgebungen, ohne dass es zu sehr start-up-mäßig ins Extreme geht.