Interview

Herr Dr. Buchmann, bitte beschreiben Sie das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Dr. Buchmann: Im Rahmen von enera fokussiert sich unsere Arbeitsgruppe Bremen Energy Research der Jacobs University Bremen darauf, die Marktregeln und die Regulierung des Stromsystems so anzupassen, dass die in enera entwickelten Lösungen auch außerhalb des SINTEG-Rahmens zur Umsetzung kommen. Im Kern widmen wir uns der Frage, wie wir die Anreize der beteiligten Akteure, von den Netzbetreibern bis hin zu den Kunden, so gestalten können, dass die Marktaktivitäten in enera ein gesamtwirtschaftlich möglichst optimales Ergebnis erreichen.

Welchen wichtigen Beitrag leistet Ihr Projekt für die Energiewende? 

Wir zeigen Lösungswege auf, wie technische Möglichkeiten durch die handelnden Akteure im Energiesektor genutzt werden können. Dazu gehört insbesondere, die ökonomischen Anreize so zu gestalten, dass die Akteure gesamtgesellschaftlich sinnvolle Maßnahmen umsetzen. Hier setzen wir an und erklären, wie Anreize (also etwa Preissignale, Marktregeln etc.) so ausgestaltet werden können, dass die Energiewende möglichst kosteneffizient erreicht wird. 

Gibt es bereits erste wichtige Meilensteine oder Erfolge, die Sie erreicht haben?

Viele unserer Untersuchungen fokussieren sich auf die Netzbetreiber als zentrale Akteure der Energiewende und deren Investitionstätigkeiten. Im Kern geht es um die Frage, wie die Regulierung sicherstellen kann, dass die Netzbetreiber immer die volkswirtschaftlich sinnvollste Technologie auswählen. Herausfordernd ist, dass viele der neuen technologischen Ansätze, die wir in enera demonstrieren (und hier insbesondere IT-basierte Anwendungen), andere Risiken und Kosten verursachen als konventionelle Technologien (klassischer Netzausbau). Um eine effiziente Abwägung zwischen diesen Optionen zu ermöglichen, haben wir verschiedene Anpassungsoptionen der Anreizregulierung der Netzbetreiber entwickelt, die genau diese Abwägung fördern soll.

Wie erklären Sie auf einer Party, was Sie beruflich machen?

Ich erforsche, wie die Regeln im Stromsektor angepasst werden können, um möglichst schnell möglichst viel CO2 einzusparen und einen möglichst hohen Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien im Stromsektor zu geringen Kosten zu ermöglichen – kurz, ich arbeite daran, die Energiewende möglichst schnell und möglichst kostengünstig umzusetzen.  

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Mein Hauptantrieb ist es, den Klimawandel möglichst schnell und möglichst umfangreich zu begrenzen. Dazu bedarf es teilweise radikaler Anpassungen in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Mit meiner Arbeit versuche ich meinen Teil dazu beizutragen durch die Energiewende den Energiesektor zeitnah CO2-neutral zu gestalten. Das kann man sicherlich in verschiedenen Positionen im Energiesektor, aber nur als Wissenschaftler hat man die Möglichkeit so tief in die Problemanalyse und Entwicklung von Lösungswegen einzusteigen, wie dies in Anbetracht der Herausforderungen, die dieser Prozess stellt, notwendig ist. Ich bin immer wieder überrascht, wie komplex die Probleme und die Suche nach Lösungswegen sind, und genau diese Herausforderung macht die Arbeit in der Energieforschung aktuell so spannend für mich. Darüber hinaus ermöglicht mir das besondere Umfeld der Jacobs University, die Energiewende an internationale Studenten zu vermitteln und in den internationalen Diskurs einzubringen, was noch einmal einen besonderen Reiz hat.

An welchen Stellen in Ihrem beruflichen Alltag stehen Sie häufig vor Herausforderungen – und welche Lösungen müssen Sie finden? 

Die Komplexität der einzelnen Regelungen und Anpassungsoptionen zur Umsetzung der Energiewende sind sehr hoch, sodass eine verständliche Vermittlung an Laien schnell eine große Herausforderung für uns darstellt. Hier setzten wir mit verschiedenen Kommunikationswegen an. Diese Bemühungen gilt es aber weiterhin zu intensivieren, da der zeitliche Handlungsdruck sehr hoch ist, um rechtzeitig das Energiesystem umstellen zu können.

Was wollen Sie am Ende unbedingt erreicht haben? 

Ziel ist es, klare Handlungsempfehlungen für die Politik und den Regulierer zu entwickeln, die einen Pfad aufzeigen, wie man die im Rahmen von enera demonstrierten volkswirtschaftlich sinnvollen Lösungen außerhalb von SINTEG verstetigen kann.