Interview

Herr Niehaus, bitte beschreiben Sie Ihre Arbeit bei Designetz.

Niehaus: Ich arbeite im Projektmanagement von Designetz und bin dadurch in den verschiedensten Themenbereichen vertreten. So bin ich unter anderem Teil des Teams, das sich um die sichere Vernetzung und Anbindung der Demonstratoren zu einem Gesamtsystem kümmert. Die Herausforderungen umfassen eine hohe Bandbreite: Dazu zählt, Leitsystemen mit Komponenten aus der Forschung und Entwicklung sicher zu vernetzen und den Zeitplan eines Projekts mit 47 Partnerunternehmen einzuhalten.

Daneben bin ich daran beteiligt, die Projektergebnisse zu erfassen, zu strukturieren und visuell aufzubereiten. Zusätzlich unterstütze ich die Projektleitung von Designetz dabei, Veranstaltungen und Workshops zu planen und vorzubereiten. Meine Priorität liegt vor allem darauf, die aufkommenden Herausforderungen zu lösen, indem ich die notwendigen Maßnahmen schnell an die jeweiligen Teams adressiere.

Welchen wichtigen Beitrag leistet Ihr Projekt für die Energiewende?

Designetz entwickelt Blaupausen für ein Energiesystem der Zukunft. Wir erforschen in 30 Teilprojekten neue Technologien und verbinden eine Vielzahl von Einzelanlagen zu einem Gesamtsystem. Dazu entwickeln wir ein Informations- und Kommunikationstechnik (IKT)-System, das die lokale, regionale und überregionale Ebene verbindet. Damit untersuchen wir die Bedeutung der unterschiedlichen Technologien für das zukünftige Energiesystem.

Neben Technologien untersuchen wir, welche Maßnahmen die Akzeptanz und Partizipation der Gesellschaft fördern. Die gesammelten Erkenntnisse fließen in Handlungsempfehlungen an die Politik ein, um Impulse für die regulatorischen Weichen eines zukünftigen Energiesystems zu geben.

Was wollen Sie am Ende unbedingt erreicht haben?

Wir möchten mit dem Projekt zeigen, dass ein stabiles Energiesystem auch bei mehr als 80 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien funktioniert und stellen dar, welche Technologien und politischen Rahmenbedingungen dazu nötig sind.

Wie erklären Sie auf einer Party, was Sie beruflich machen?

Ich erzähle, dass wir mit Designetz erforschen, wie das Energiesystem der Zukunft ohne Kohle- und Atomkraftwerke aussehen kann. Ich verweise häufig auf die stillstehenden Windräder und die Schwachstellen unseres aktuellen Energiesystems und betone dabei, wie wichtig Intelligenz und Flexibilität für ein stabiles Energiesystem sind.

Welche Frage zu Ihrem Job wird Ihnen am häufigsten gestellt – und wie lautet Ihre Antwort?

Oft werde ich gefragt, warum die konventionellen Kraftwerke nicht einfach die Versorgungslücken ausgleichen können, wenn mal kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Darauf antworte ich, dass große Kraftwerke eine Mindest-Energie liefern müssen und daher nur begrenzt zu regeln sind. Außerdem ist es unwirtschaftlich große Kraftwerke über einen längeren Zeitraum im Stand-by-Betrieb zu halten, damit sie an wenigen Tagen, an denen der Verbrauch die Stromerzeugung übersteigt, Energie produzieren. Durch intelligente und gezielt ausgebaute Stromnetze, flexible Verbraucher und Erzeuger sowie die Verbindung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr können wir in Zukunft auch ohne konventionelle Kraftwerke eine stabile und nachhaltige Energieversorgung erreichen.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Mich begeistert die Vielfalt meiner Tätigkeit in den verschiedenen Teams. In diesen kann ich organisatorische, kreative, praktische und theoretische Tätigkeiten verbinden und lerne jeden Tag etwas Neues. Ich habe sowohl Verantwortung als auch das gute Gefühl, dass ich das Projekt mit meiner Arbeit zum Erfolg bringen kann. Darüber hinaus begeistert mich, dass ich etwas Nachhaltiges für Deutschland und die Erde tue.

Gibt es ein Ereignis in Ihrem Leben, welches Ihren beruflichen Weg oder Ihr Engagement für den Klimaschutz stark beeinflusst hat?

Durch meine Eltern, die schon immer sehr nachhaltig und offen für neue Technologien waren, war Klimaschutz ein alltägliches Thema. Zusätzlich hatte ich früh praktische Berührungen mit neuen Heizungskonzepten wie Solar-Anlagen und Holzhackschnitzel-Verbrennungsanlagen. Später wurde 100 Meter von meinem Elternhaus entfernt eine Photovoltaik-Anlage gebaut. An dieser habe ich mich beteiligt und konnte so erste Erfahrungen im praktischen Anlagenbau sammeln.

Ihre Einschätzung: Was ist das Wichtigste, damit die Energiewende zum Erfolg wird?

Das Verständnis für die Bedeutung der Energiewende für Deutschland und für die Erde muss in der gesamten Gesellschaft steigen. Ohne dieses Verständnis wird die Energiewende nur schwer umzusetzen sein.

Warum lohnt sich aus Ihrer Sicht das Engagement für die Energiewende?

Energiewende lohnt sich für uns alle, weil sie nicht nur nachhaltiges Handeln bedeutet, sondern auch wirtschaftliches. Langfristig können wir Vorreiter und Know-how-Experten für die Energiewende in Deutschland und auf der gesamten Welt sein. Wir schützen nicht nur unseren Planeten und damit die Lebensgrundlage für unsere Existenz, sondern können auch gesellschaftlich davon profitieren.