Interview

Herr Prof. Bodach, bitte beschreiben Sie in das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Prof. Bodach: Wir unterstützen in dem Projekt WindNODE ein im Reallabor überprüftes Modell für zukünftige, intelligente Niederspannungsnetze im Stadtquartier. Das umfasst flexible Energiespeicher, einen regelbaren Ortsnetztrafo und zum Teil steuerbare Abnehmer. Damit liefern wir einen Baustein für den Weg in eine sogenannte „All Electric Society“, eine durchgängig in allen Lebensbereichen elektrifizierte Gesellschaft.

Welchen wichtigen Beitrag leistet Ihr Projekt für die Energiewende?

Wir demonstrieren die Energiewende in dem genannten intelligenten Niederspannungsnetz. Mit Energiespeichern, regelbarem Ortsnetztrafo, Smart Metern, Smart Building, Elektromobilität sowie intelligenten Abnehmern soll die Flexibilisierung von Einspeisung und Verbrauch in einer Modellregion mit 1.109 Wohneinheiten erreicht werden.

Gibt es bereits erste wichtige Meilensteine oder Erfolge, die Sie erreicht haben?

Alle Komponenten laufen nach Plan. Die Energiespeicher, Ladesäulen und Messsysteme liefern erste, zum Teil auch sehr erstaunliche Detailinformationen, welche auch in die Lehre Einzug halten werden. Jetzt geht es an das Fein-Tuning und die weitere Optimierung des Zusammenspiels der Komponenten.

Was ist das Besondere an Ihrem Projekt und wie ist die Idee dazu entstanden?

Das besondere an WindNODE ist, dass ich meine Ideen, welche ich zum Teil schon vor 20 Jahren in meiner Promotionsphase hatte, jetzt real testen kann und sehe, dass ich damals bereits richtig lag.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Mich begeistert die Möglichkeit, Forschung und Lehre in Einklang zu bringen und den Studierenden die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Projekten wie WindNODE näher zu bringen. Unser wissenschaftlicher Nachwuchs benötigt solide Grundlagenkenntnisse genauso wie die Inspiration durch die Forschung. Das fördert kreative Köpfe.

Was wollen Sie am Ende unbedingt erreicht haben?

Wir wollen mit den real aufgebauten und funktionierenden Demonstratoren beweisen, dass unsere vorangegangenen, theoretischen Betrachtungen und simulativen Untersuchungen richtig waren und in einem echten Netz funktionieren.

Was ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste, damit die Energiewende zum Erfolg wird?

Entscheidend ist es, „Schnellschüsse“ zu vermeiden. Die Elektroenergieversorgung ist geprägt von einer sehr hohen Ausfallsicherheit à "Das soll auch so bleiben". Werden neue Konzepte und Komponenten in die Netzstrukturen eingebracht, müssen sich diese ebenso diesem Kriterium unterordnen. Unabdingbar sind hinreichende Tests und Untersuchungen vor einem entsprechenden Rollout, also etwa dem flächendeckenden Einsatz intelligenter Messsysteme.

Warum lohnt sich das Engagement für die Energiewende?

Die Energiewende sowie dessen Teilmengen wie beispielsweise die Elektromobilität sind in der Zukunft unabdingbar. Die Verfügbarkeit von Energie aus erneuerbaren Quellen, intelligent verteilt, wird eine „All Electric Society“ ermöglichen und eine saubere, bezahlbare Energieversorgung garantieren.