Interview

Herr Dr. Beucker, bitte beschreiben Sie das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Dr. Beucker: Im Gebäudesektor wird rund ein Drittel der Energie in Deutschland verbraucht. Der weitaus größte Teil davon wird für Heizung und Warmwasser benötigt. Wir wollen zeigen, dass man in normalen Wohngebäuden durch ein intelligentes Management die Energie effizienter einsetzen und sie dann nutzen kann, wenn viel Energie aus Erneuerbaren Quellen, etwa Wind und Solar, verfügbar sind.

Welchen wichtigen Beitrag leistet Ihr Projekt für die Energiewende?

Der Beitrag liegt darin, den Gebäudesektor für die Energiewende nutzbar zu machen. Dies soll durch weniger Energieverbrauch (Effizienz) und die leichtere Nutzung von schwankenden (fluktuierenden) Erneuerbaren Energien (Flexibilität) erfolgen – ohne, dass die Bewohner dadurch eingeschränkt werden

Gibt es bereits erste wichtige Meilensteine oder Erfolge, die Sie erreicht haben?

Wir konnten zeigen, dass durch den Einsatz von intelligentem Energiemanagement im Gebäudebestand der Wärmebedarf um bis zu 25 Prozent reduziert werden kann. Weitere zehn Prozent des Energiebedarfs können zeitlich so verlagert werden, dass sie vor allem dann verbraucht werden, wenn viel Energie aus Erneuerbaren Quellen verfügbar ist.

Was wollen Sie am Ende unbedingt erreicht haben?

Wir wollen zeigen, dass intelligentes Energiemanagement funktioniert und Gebäude auf eine erneuerbare Versorgung reagieren können. Durch ein solches Management und weitere Maßnahmen können die Klimaschutzziele der Bundesregierung für den Gebäudesektor im Jahr 2030 erreicht werden. Dies entspricht nahezu einer Halbierung der CO2-Emissionen.

Wie erklären Sie auf einer Party, was Sie beruflich machen?

Darin war ich nie gut. Ich sage immer ich arbeite daran, den Energieverbrauch in Gebäuden durch Intelligenz/ intelligente Technik zu reduzieren und dafür Modelle zu entwickeln, von denen alle Beteiligten etwas haben.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Mich begeistert an meinem Job, dass ich selbstbestimmt an sinnvollen und neuen Themen arbeiten kann. Wichtig ist mir, dass ich durch meine Arbeit etwas verändern kann und zu einer nachhaltigen Entwicklung und der Energiewende beitragen kann. Rückschläge sind auch Teil einer solchen Arbeit. Wichtig ist, dass die Richtung stimmt.

Ihre Vorbilder: Wer inspiriert Sie? Und warum?

Letztes Jahr war Humboldt-Jahr und da ich ein Wissenschaftler bin, ist Alexander von Humboldt mein derzeitiges Vorbild. Humboldt hat unser Verständnis einer modernen, interdisziplinären und internationalen Wissenschaft maßgeblich geprägt. Diese Denkweise ist notwendiger denn je und wir brauchen sie – nicht nur für die Energiewende.

Gibt es ein Ereignis in Ihrem Leben, das Ihren beruflichen Weg oder Ihr Engagement für den Klimaschutz stark beeinflusst hat?

Ich habe Umwelttechnik studiert und interessiere mich schon seit Jahrzehnten für das Thema. Die Dramatik des Klimawandels habe ich vor 15 Jahren begriffen. Ich fahre seit Jahren immer wieder auf eine Insel im Atlantik, wo vor 15 Jahren begonnen wurde, einen riesigen Schutzwall gegen Sturmfluten und den steigenden Meeresspiegel zu bauen. Seitdem ist mir klar, dass wir mitten im Klimawandel leben und die allerschlechteste Option ist nichts dagegen zu tun.

Was macht SINTEG für Sie aus? Und wie hat SINTEG Ihnen auf Ihrem Weg geholfen?

Das SINTEG-Programm und seine Projekte sind für mich einzigartig, weil Akteure und Organisationen zusammenkommen und Lösungen erarbeiten, die sich sonst nicht oder nur selten begegnen. Wann würden sich sonst Netzbetreiber, Energieversorger, Wohnungsunternehmen, Start-ups und Wissenschaftler an einen Tisch setzen und überlegen, wie die zukünftige Energieversorgung eines Quartiers aussehen kann.

Ihre Einschätzung: Was ist das Wichtigste, damit die Energiewende zum Erfolg wird?

Die Energiewende wird dann zum Erfolg, wenn wir sie als langfristige, wirtschaftliche und gesellschaftliche Chance und Transformation begreifen. Dabei wird es wie in allen großen Umbrüchen Gewinner und Verlierer geben. Bisher sehen wir die Energiewende hauptsächlich als eine Herausforderung für die Industrie. Wir müssen aber auch die Menschen mitnehmen und darauf achten, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden und sie die Wende mittragen.

Warum lohnt sich das Engagement für die Energiewende?

Ich finde die Vorstellung einer erneuerbaren, umweltfreundlich sowie sozial und wirtschaftlich gerechten Energieversorgung extrem verheißungsvoll. Eine nachhaltige Energieversorgung ist eine der großen, aktuellen Herausforderungen der Menschheit. Daran mitzuarbeiten lohnt sich immer.