Interview

Frau Porada, bitte beschreiben Sie das Projekt, an dem Sie arbeiten.

Porada: Im Rahmen von enera untersuchen wir am Institut für Elektrische Anlagen und Netze, Digitalisierung und Energiewirtschaft (IAEW) der RWTH Aachen University, wie ein aktiver Verteilnetzbetrieb den konventionellen Netzausbaubedarf senken kann. Dabei untersuchen wir außerdem, wie der regulatorische Rahmen so ausgestaltet werden kann, dass Verteilnetzbetreiber einen Anreiz haben, Investitionen in innovative Netzbetriebskonzepte konventionellen Netzausbaumaßnahmen vorzuziehen.

Ein verstärkter aktiver Netzbetrieb in den Verteilnetzebenen darf natürlich nicht einem sicheren und stabilen Betrieb des Übertragungsnetzes entgegenstehen. Daher untersuchen wir darüber hinaus, welche dynamischen Wechselwirkungen zwischen Verteil- und Übertragungsnetz auftreten können und wie ein aktiver Verteilnetzbetrieb in kritischen Netzsituationen dazu beitragen kann, das Übertragungsnetz zu stabilisieren.

Welchen wichtigen Beitrag leistet Ihr Projekt für die Energiewende?

Ein aktiver Verteilnetzbetrieb bietet Verteilnetzbetreibern eine Möglichkeit, erneuerbare Erzeugungsanlagen, wie Windräder und Solarmodule, ökologisch und ökonomisch effizient in das Stromnetz zu integrieren. Dies ist wichtig, um die Energiewende voranzutreiben.

Gibt es bereits erste wichtige Meilensteine oder Erfolge, die Sie erreicht haben?

Bei unseren Untersuchungen haben wir nicht nur die Modellregion zum jetzigen Zeitpunkt im Blick, sondern untersuchen die Auswirkungen in Gesamtdeutschland bis zum Jahr 2050. Hierzu nutzen wir verschiedene Simulationsverfahren, die wir im Rahmen des enera-Projekts entwickeln. Die Entwicklung dieser Verfahren ist ein wichtiger Meilenstein für uns und für das Gesamtprojekt, den wir bereits erfolgreich abgeschlossen haben. Ein weiterer großer Meilenstein ist, dass wir diese Verfahren deutschlandweit anwenden und untersuchen und über die Modellregion hinaus erforschen, wie ein aktiver Verteilnetzbetrieb umgesetzt und genutzt werden kann.

Wie erklären Sie auf einer Party, was Sie beruflich machen?

Wenn ich Menschen von meiner Arbeit erzähle, versuche ich, zunächst zu erklären, welche Herausforderungen sich bei der Stromversorgung ergeben, wenn ein Großteil unseres Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Und ich erkläre, wie unsere Stromversorgung in Zukunft aussehen könnte. Bei uns am Institut entwickeln wir Modelle, um Konzepte für die zukünftige Stromversorgung zu simulieren und zu bewerten. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf dem sicheren und effizienten Betrieb unseres Stromnetzes.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Am IAEW befassen wir uns meist mit Fragestellungen zukünftiger Herausforderungen, für die es noch nicht immer praxistaugliche Lösungen gibt. Ich bin ein Mensch, der sehr gerne knobelt und sich auch gerne mal einen Tag lang in ein logisches, mathematisches oder physikalisches Problem vertieft. Je länger ich an einem Problem sitze, desto mehr freue ich mich über die gefundene Lösung, umso motivierter gehe ich an die nächste Problemstellung.

Was ist Ihrer Einschätzung nach das Wichtigste, damit die Energiewende zum Erfolg wird?

Ich denke, am Wichtigsten ist es, ein klares Ziel vor Augen zu haben und sich bereits frühzeitig mit den möglichen Lösungswegen auseinanderzusetzen. Daher sollten wir uns bereits heute mit den Herausforderungen beschäftigen, die erst in zehn, 20 oder 30 Jahren auf uns zukommen. So können wir allen Beteiligten die Möglichkeit geben, sich auf die bevorstehenden Veränderungen vorzubereiten und diese mitzutragen und mitzugestalten.

Was macht SINTEG für Sie aus? 

Für mich ist das Besondere an den SINTEG-Projekten, dass dort viele Partner aus unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen und an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Das ermöglicht allen einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. SINTEG ist eine ideale Plattform, auf der sich Expertinnen und Experten verschiedenster Fachrichtungen über mögliche Ideen und Lösungsansätze austauschen.

Für mich persönlich bedeutet SINTEG, dass wir als Universität für unsere Modelle wertvollen Input aus der Praxis und Einsicht über die alltäglichen Herausforderungen der Energieversorger erhalten.