Interview

Herr Brommelmeier, bitte beschreiben Sie das Hauptforschungsthema in Ihrem Schaufenster.

Brommelmeier: Zentral ist der Gedanke, auf Basis der drei intensiv vernetzten Kernkategorien Netz, Markt und Daten einen Inkubator für den nächsten großen Schritt der Energiewende zu bilden. enera adressiert eine Vielzahl von Schwerpunkten entlang dieser Logik. Fokuspunkte liegen dabei unter anderem auf einer vollständigen Digitalisierung der Wertschöpfungskette der Energiebranche und der Schaffung von neuen Ansätzen zur Erbringung netzdienlicher Flexibilität.

Welchen wichtigen Beitrag leistet Ihr Schaufenster für die Energiewende?

Deutschland hat gute Chancen, zum internationalen Leitmarkt für transformierte digitalisierte Energiesysteme zu werden. Die Voraussetzung dafür ist der Wandel von einem statischen, zentral geprägten zu einem dynamischen, dezentral geprägten System mit Blick auf eine optimierte volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Relation.

enera bietet somit den Akteuren der Energiewirtschaft die Chance, sich in einem radikal verändernden Umfeld neu zu definieren, wofür neue gesetzliche Rahmenbedingungen benötigt werden. Aus den Ergebnissen des Projekts ergeben sich Vorschläge und Handlungsoptionen für die Politik.

Darüber hinaus werden die Bürgerinnen und Bürger im Energiesystem zukünftig eine deutlich wichtigere und aktivere Rolle als heutzutage einnehmen. Daher gestalten diese enera maßgeblich mit  – sowohl durch die persönliche Teilnahme als Akteur des Energiesystems, als auch durch die Mitarbeit bei der Entwicklung und Gestaltung neuer Produkte.

Außerdem wird der notwendige Qualifizierungsbedarf ermittelt und adressiert, der sich aus den technischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen des Projekts ergibt.

Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben als Gesamtprojektleiter?

Als Gesamtprojektleiter eines durchaus komplexen Projekts ist der Blick fürs Ganze wichtig. Dazu zählen administrative Aufgaben sowie die Koordination und Weiterentwicklung von Projektinhalten und -aufgaben; des Weiteren die Kommunikation mit allen Konsortialpartnern und die Wahrung ihrer Interessen. Hinzu kommt der Austausch zwischen den SINTEG-Schaufenstern und mit dem Fördermittelgeber. Nicht zu vernachlässigen ist darüber hinaus die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt.

Gibt es bereits erste wichtige Meilensteine oder Erfolge, die Sie erreicht haben?

Im Laufe der enera-Projektlaufzeit haben wir in diversen Arbeitspaketen bereits viele Meilensteine erreicht und Erfolge verbuchen können. Dazu zählt beispielsweise die erfolgreiche Umsetzung des enera-Flexmarkts. So fand erst kürzlich das größte Feldtest-Szenario mit einem Flexibilitätsabruf von 24 Megawatt erfolgreich mit Verteilnetz- und Übertragungsnetzbetreibern statt.

Was begeistert Sie an Ihrem Job?

Die Chance, Innovationen in einem komplexen System zu schaffen.

Wie sieht ihr Alltag aus: Was machen Sie als Erstes, wenn Sie ins Büro kommen? Was als Letztes?

Wir haben ein Open-Space-Office mit freier Platzwahl und ich bin morgens eher spät im Büro. Also schaue ich als Erstes, ob ich einen freien Arbeitsplatz finde oder ob ich mit einem Sitzkissen vorlieb nehmen muss. ;) Als Letztes räume ich dann natürlich den Platz wieder auf.

Was wollen Sie am Ende unbedingt erreicht haben?

Den nächsten großen Schritt der Energiewende.

Was ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste, damit die Energiewende zum Erfolg wird? In Ihren eigenen Worten: Was macht SINTEG für Sie aus? Und wie hat SINTEG Ihnen auf Ihrem Weg geholfen?

Es ist wichtig, dass wir weiterhin mutig sind und die Energiewende treiben. Wir müssen im Blick behalten, dass wir es sind, die nun entscheiden, wie die Erde für zukünftige Generationen aussehen wird. SINTEG hilft vor allem technologische Lösungen zu finden, die neben Energieeinsparung und Energieeffizienz ein Teil der Lösung sein können.

Was wollen Sie beruflich mit Unterstützung der SINTEG-Förderung erreichen?

Auch hier wieder: Den nächsten großen Schritt der Energiewende. Ich glaube, dass die Energiewende neben den technologischen Komponenten stark von der Haltung der Akteure getrieben wird. Persönlich finde ich, dass man auf Potenzial stößt, wenn viel Kritik von etablierten Akteuren geäußert wird. Und wenn man dann einen guten und kritischen Dialog führt und so eine sinnvolle Streitkultur schafft, ist man auf dem richtigen Weg.