Auch die Stadt und Universität Kassel begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich in ihrer Stadt. Der Veranstaltungsort mitten auf dem Campus der Universität mit Vorträgen und Sessions in Hörsälen trug zu einer lockeren, offenen Atmosphäre und zu einem regen Austausch der Teilnehmer bei.

Viele interessante Gespräche und Diskussionen wurden abends beim Networking geführt, für viele Projektpartner bot die Konferenz die Gelegenheit, sich wiederzusehen und sich mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Schaufenstern auszutauschen und auf den aktuellen Stand der einzelnen Projekte zu bringen.

Foto-Galerie: Vorträge, Sessions, Networking

Ein Schwerpunkt, dessen Wichtigkeit für das Gelingen der Energiewende immer wieder betont wurde, lag in diesem Jahr auf dem Thema Akzeptanz, Partizipation und Bürgerbeteiligung. So stellte zum Beispiel Prof. Werner Beba von NEW 4.0 heraus, dass ein wichtiger Akzeptanzfaktor für die Energiewende in Schleswig-Holstein und Hamburg der Stolz der Bürger auf ihre Region sei, zu merken, dass die Energiewende vor Ort vorankomme. Eine hohe regionale Wertschöpfung entstehe insbesondere dann, wenn lokale Akteure eng zusammenarbeiteten, erklärte Joachim Walter, Designetz, von der Transferstelle Bingen.

Bei gemeinsamen Grill-Abenden über die Energiewende diskutieren

Auch Frank Glanert von enera teilte seine Erfahrungen in Ostfriesland und Friesland und berichtete, dass die Bürger von ihrem Engagement einen konkreten Mehrwert erwarteten. Sie würden oft fragen ‚Was hab ich denn eigentlich davon?‘. Als Erfolgsrezept, um mit Menschen vor Ort in lockere Gespräche zu kommen, präsentierte Glanert ein simples Format: „Wir gehen zu den Leuten nach Hause und grillen mit ihnen. Während ich am Grill die Würstchen wende, entstehen am Tisch nebenan die spanndendsten Diskussionen darüber, wie jeder bei der Energiewende mitmachen kann.“ Ähnlich sah es auch Nicolas Spengler von C/sells, der klarstellte, man wolle durch den Einbau intelligenter Messsysteme nicht etwa ermitteln, wann Leute zu Hause duschen. Vielmehr würden er und das C/sells-Team täglich versuchen, den Menschen zu erklären, dass sie Teil eines großen Ganzen sein könnten.

Damit Partizipation gelingt, sei es essentiell, mit aktiver Informationsarbeit zunächst die Basis zu legen, sagte Christian Schneider von C/sells. Denn dass Menschen verstehen, worum es bei der Energiewende geht, geschehe nicht automatisch, betonte auch Lothar Ahle von Designetz: „Wir müssen das, was wir tun, einfacher erklären, damit wir die Bürger abholen.“ Christian Schneider unterstrich: „Wir wollen mit unseren Informationsveranstaltungen erreichen, dass die Bürger ein höheres Wissenslevel erreichen, damit wir auf Augenhöhe diskutieren können.“ In der aktuellen Wahrnehmung funktioniere die Energiewende zu oft nach dem Top-Down-Prinzip. Was stattdessen gebraucht werde sei der Bottom-Up-Ansatz. Experten müssten niedrigschwelliger mit den Menschen kommunizieren, appellierte Schneider, „das ist das A&O“.

Kreative Mitmach-Formate schaffen positiven Zugang zu schwierigen Themen

Auf viel Interesse stießen auch die Konzepte von Ellery Studio aus Berlin. Dodo Vögler (WindNODE) stellte kreative und künstlerische Mitmach-Formate vor, die dazu dienen sollen, positive Vorstellungen der (Energie-)Zukunft zu kreieren. Vögler erklärte, sie und ihre Kollegen wollten einen Paralleldialog zu vorherrschenden Angst-Narrativen und Dystopien in Gang bringen: „Wir sprechen über wünschenswerte Zukünfte und wollen damit die Chancen für die Energiewende aufzeigen und Begeisterung wecken.“

Breite Zustimmung erhielt auch Dr. Peter Eckerle von StoREgio, der die Erkenntnisse so zusammenfasste: „Damit die Energiewende gelingt, müssen wir die breite Masse aktivieren.“ Oder, wie Prof. Ingo Uhlig von der Technischen Universität Berlin (WindNODE) es auf den Punkt brachte: „Die Arbeit an der Energiewende ist nichts Anderes als Gestaltung der Gegenwartskultur.“